In diesem Text stellen wir Ihnen den Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell vor. Bestimmt haben Sie bereits von Tell und dem berühmten Apfelschuss gehört. Die Geschichte bietet Ihnen die Möglichkeit, einen ersten kulturellen Eindruck der Schweiz zu gewinnen. Auch in Hinsicht auf die Sprache.

Das Schweizerdeutsch – Politik vs. Wissenschaft

Die Sprache, die die Schweizer unter sich sprechen, unterscheidet sich stark vom Schweizer Hochdeutsch, das etwa im Fernsehen ausgestrahlt wird. Politisch als Dialekt des Deutschen erachtet, könnte das Schweizerdeutsche aus sprachwissenschaftlicher Sicht ebenso gut als eigenständige Sprache gelten. Schließlich weichen nicht nur der Wortschatz und die Aussprache sondern auch die Grammatik von der Schriftsprache ab. Wussten Sie etwa, dass die Schweizer „der Ecke“ sagen? Aber lesen Sie die Geschichte von Tell und entscheiden Sie selbst.

Ehre dem Reichsvogt

Gessler aus Wilhelm Tell
Gessler aus Wilhelm Tell

Im Jahr 1307 regieren die Habsburger die Zentralschweizer Gebiete um den Vierwaldstättersee. Ihre Vögte sind den Urnern, Schwyzern und Unterwaldnern ein Dorn im „Oug“. Besonders der verhasste Reichsvogt von Altdorf im Kanton Uri. Der Mann heißt Hermann Gessler.

Gessler verlangt von allen Altdorfern, dass Sie ihm ihre Ehre erweisen. Also errichtet er mitten auf dem Dorfplatz einen Pfahl und stülpt seinen „Huet“ darüber. Wer den „Huet“ passiert, soll sich verbeugen, als wäre der feine Herr persönlich anwesend.

Als Tell und sein Sohn Walter aus Bürglen eintreffen, gehen sie erhobenen Hauptes am „Huet“ vorbei. Daraufhin lässt ein erboster Gessler die beiden verhaften.

 

Wilhelm Tell und der Apfelschuss

Wilhelm Tell - Der Apfelschuss
Wilhelm Tell – Der Apfelschuss

Wilhelm Tell ist in weiten Kreisen als hervorragender Armbrustschütze bekannt. Also denkt sich Gessler eine schreckliche Strafe für ihn aus. Für seine Untat soll er einen „Öpfu“ vom „Gring“ seines Sohnes schießen. Wenn er den „Öpfu“ „breicht“, darf er ziehen. Wenn der Pfeil den „Öpfu“ verfehlt oder Tell sich weigert, müssen er und Walter sterben.

Tell steckt zwischen „Boum“ und Borke und nimmt die Herausforderung schweren Herzens an. Er nimmt zwei Pfeile auf. Er zielt, schießt und „breicht“ auf Anhieb. „Hässig“ fragt Gessler, weshalb er zwei Pfeile genommen habe. Tell antwortet kämpferisch: „Hätte ich meinen Sohn getötet, hätte ich Euch getötet.“

Der Reichsvogt ist außer sich. Er befiehlt, den Schützen in seine Burg mitzunehmen und dort einzukerkern. Gesslers Burg befindet sich in Küssnacht am Rigi. Die „Rejs“ dorthin führt per Boot über den Vierwaldstättersee.

Wieder Glück im Unglück

Unterwegs zwingt ein heftiger Sturm Gessler und seine Soldaten, Tell loszubinden. Denn nur er kennt den See und kann das Boot des Reichsvogtes sicher an Land „stüüre“.

Tell nutzt die Gunst der Stunde um zu fliehen: Als sich das Boot dem Ufer nähert, „gumpt“ er aus dem Boot auf eine Felsplatte. Dabei stößt er sich vom Boot ab, sodass dieses weiter hinaus treibt.

Tell „pressiert“ nach Küssnacht und wartet dort auf Gessler. Als dieser endlich in Küssnacht ankommt, schießt Tell mit seiner Armbrust auf ihn. Der Reichsvogt ist auf der Stelle tot und Wilhelm Tell steigt zum Nationalhelden auf. Seine Tat löst eine „Wäue“ der Rebellion aus und die Schweizer befreien sich schließlich aus den Fängen der Habsburger.

Wilhelm Tell - Friedrich Schiller
Wilhelm Tell – Friedrich Schiller

Tell – Schauspiel und Buch

Jeder Schweizer und jede Schweizerin kennt die Legende von Tell. Insbesondere seit Friedrich von Schiller die Geschichte in ein dramatisches Bühnenstück verwandelte. Die Uraufführung fand Anfang des 19. Jahrhunderts statt. Und hierzulande gehört das Stück nach wie vor zu den beliebtesten überhaupt. Das literarische Werk machte den Nationalhelden der Eidgenossen auf der ganzen Welt berühmt. Wenn auch Sie Schillers letztes Drama (auf Hochdeutsch) lesen möchten, können Sie sich das Buch hier bestellen.

 

 

Geschichtsbuch oder Geschichtenbuch?

War Tell eine echte Person? Und ist die Geschichte um den Apfelschuss wahr? Ob Wilhelm Tell jemals gelebt hat, ist heftig umstritten, selbst unter Geschichtswissenschaftlern. Denn ältere Quellen berichten von ähnlichen Geschichten mit anderen Namen, etwa in Dänemark. Aber das ist eigentlich auch nicht wichtig. Hauptsache, Sie konnten einen ersten Einblick ins Schweizerdeutsche gewinnen. Haben Sie alle Wörter richtig interpretiert? Nachfolgend die Auflösung:

icon-on-white-background-1Schweizerdeutsches Wörterquiz Auflösung

Oug: Auge

Huet: Hut

Gring: Kopf

breicht: trifft

Boum: Baum

hässig: wütend

Rejs: Reise

stüüre: steuern

gumpt: springt

pressiert: eilt

Wäue: Welle

Schweizerdeutsch lernen online – eine Erfolgsstory

Wenn Ihnen die Schweizerdeutschen Streusel hie und da gefallen haben, werden Sie unsere Schweizerdeutschkurse lieben. Mithilfe der Kurse verstehen sie alles, was sich die Eidgenossen so erzählen. Wir achten selbst auf Regionalitäten. Die Dialektwörter im vorliegenden Text stammen aus dem Berndeutschen. Oder „Bärndütsch“, wie die Berner sagen. Unsere Lehrpersonen sprechen „Züridütsch“, „Baaseldytsch“, „Bärndütsch“ und „Sanggallerdütsch“.

Gröibschi oder Bütschgi

Die verschiedenen Muttersprachler helfen Ihnen dabei, den Dialekt Ihrer Region zu erlernen. Das ist wichtig, denn es gibt teilweise erhebliche Unterschiede. Da wir eben von Äpfeln sprachen: Was in Bern „Gröibschi“ (Kerngehäuse) heißt, wird nur eine Autostunde entfernt in Zürich „Bütschgi“ genannt. Und wer in Zürich öfter mal eine „Wäie“ bestellt, muss in St. Gallen um einen „Flade“ bitten, um dasselbe zu erhalten: ein Stück Blechkuchen mit süßem oder salzigem Belag.

Wilhelm Tell und der Apfelschuss – ein legendärer Eidgenosse

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