Das wichtigste zuerst: Wer sich 3 Monate oder mehr in der Schweiz aufhalten möchte, benötigt eine Aufenthaltsbewilligung [admin.ch]. Die Aufenthaltsbewilligung, oft auch Ausländerausweis genannt, wird vom Kreisbüro/Rathaus ausgestellt. Ein Visum für die Schweiz wird für EU/EFTA Bürger dank eines bilateralen Abkommens und Personenfreizügigkeit nicht benötigt.

 

schweiz efta eu25 eu-25 einwandern auswandern ausweis grenzgaenger abkommen
Jeder mit einem gültigen EU-Ausweis (z.B. dem deutschen Ausweis) kann problemlos in die Schweiz einwandern, dort studieren und arbeiten.

 

Weil deutsche Staatsbürger in der Schweiz keine Seltenheit sind, wird der Antrag oft ohne weiteres und ohne viele Rückfragen gewährt. Falls es Vorstrafen gibt oder der Antrag nicht Buchstabengenau ausgefüllt wird, so kann es vorkommen, dass der Antrag abgelehnt wird. Wichtig also (wie immer): Alles komplett wahrheitsgemäss ausfüllen, sonst drohen hohe Geld- und Gefängnis-Strafen. In der Schweiz sind die Geld- und Gefängnisstrafen in diesem Bereich besonders hoch.

Bei den meisten Formen der Bewilligung muss eine gültige Immatrikulation (Ausweis, dass man Student an einer anerkannten Universität ist) oder ein Arbeitsvertrag vorgelegt werden. Selbstständige müssen einen Nachweis erbringen, dass sie selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Dies gilt auch für Rentner, Studenten und Stellensuchende. In den meisten Fällen wird ein  Nachweis von einem Einkommen in Höhe von einem Einkommen von 3000 CHF pro Monat gefordert.

Eine andere Möglichkeit ist es, mit ausreichend Kapital (mehr als 500’000 CHF) in die Schweiz einzureisen. Hiermit soll nachgewiesen werden, dass man ebenfalls den Lebensunterhalt selbst bestreiten kann. Dem Schweizer Staat geht es hier einfach nur darum, dass durch Einreisende keine zu hohen Kosten (z.B. Sozialversicherung bei Arbeitslosigkeit) entstehen.

Es gibt 5 verschiedene Typen von Ausländerausweisen für EU/EFTA Bürger. Der Ausländerausweis muss beim Rathaus oder im Kreisbüro der Stadt beantragt werden. Nach der Beantragung wird der Ausweis per Post zugeschickt. Insgesamt dauert dieser Prozess etwa 5-7 Werktage.

Grenzgängerbewilligung G (braun)

Hat man seinen hauptsächlichen Wohnsitz (der Ort, an dem man auch Steuern abführt) ausserhalb der Schweiz, so zählt man in der Schweiz als Grenzgänger und braucht die Grenzgängerbewilligung G (braun). Es ist vorgeschrieben, dass Grenzgänger  mindestens 1 Mal pro Woche an ihren ausländischen Hauptwohnsitz zurückkehren. Bürger der EU-25 Staaten (wozu auch Deutschland und Österreich gehört) dürfen überall in der EU wohnen und in der gesamten Schweiz arbeiten. Die Grenzgängerbewilligung ist üblicherweise fünf Jahre gültig wenn  ein unbefristeter Arbeitsvertrag vorliegt (oder ein Arbeitsvertrag für 1 Jahr oder länger). Wurde der Arbeitsvertrag für eine Gültigkeitsdauer von weniger als einem Jahr abgeschlossen, richtet sich die Gültigkeitsdauer der Grenzgängerbewilligung nach dem Arbeitsvertrag: Geht der Arbeitsvertrag für beispielsweise genau 4 Monate, so wird auch der Ausweis für genau 4 Monaten ausgestellt. Für eine Anstellungsdauer von weniger als drei Monaten gilt das Meldeverfahren.

Zusammenfassend: Die Grenzgängerbewilligung gilt für Personen mit festem Wohnsitz ausserhalb der Schweiz, die aber (fast) täglich in die Schweiz zur Arbeit pendeln.

Kurzaufenthaltsbewilligung L (flieder)

Kurzaufenthalter halten sich in der Regel befristet für weniger als ein Jahr oder für einen bestimmten Zweck in der Schweiz auf. Das kann mit oder ohne Erwerbstätigkeit sein. Der häufigste Anwendungsfall sind Schüler und Studenten, die in der Schweiz ein Praktikum oder Auslandssemester von 3 bis 12 Monaten absolvieren. Bürger der EU-25 Staaten, wozu auch Deutschland gehört, haben einen direkten Anspruch auf Erteilung dieser Bewilligung. Voraussetzung ist ein befristeter Arbeitsvertrag mit einer Laufzeit von 3 bis 12 Monaten. Für eine Anstellungsdauer von weniger als drei Monaten gilt das sogenannte Meldeverfahren.

Die Bewilligungen L ohne Erwerbstätigkeit werden an Stellensuchende aus allen EU/EFTA Staaten erteilt, sofern diese nachweisen können, dass sie für Ihren Lebensunterhalt sorgen können. Als Nachweis für den Lebensunterhalt genügt ein Kontoauszug mit 2’000 – 3’000 CHF pro Monat. Das bedeutet, wenn man den L-Ausweis für beispielhaft 6 Monate beantragen möchte, sollte man auf seinem Kontoauszug mindestens 12’000 – 18’000 CHF vorzeigen können. Unsere ganz ganz klare Empfehlung sind jedoch mindestens 3’000 CHF pro Monat, da man somit deutlich (!) höhere Erfolgschancen hat.

Zusammenfassend: Der fliederfarbene Ausweis L (Kurzaufenthaltsbewilligung) gilt für Ausländer, die weniger als ein Jahr in der Schweiz arbeiten, studieren oder Praktika absolvieren.

Aufenthaltsbewilligung B (hellgrau)

Der Ausweis B ist für Ausländer gedacht, die sich längerfristig mit oder ohne Erwerbstätigkeit in der Schweiz aufhalten. In der Regel hat diese Bewilligung eine Gültigkeit von 5 Jahren. Für deutsche Staatsbürger wird diese gewährt, wenn ein befristeter Arbeitsvertrag von mindestens 1 Jahr oder ein unbefristeter Arbeitsvertrag nachgewiesen werden kann. Die Bewilligung wird um weitere 5 Jahre verlängert, wenn die Voraussetzungen weiterhin erfüllt werden. Bei der ersten Verlängerung kann sie aber auf ein Jahr beschränkt werden, wenn die betreffende Person seit über zwölf aufeinanderfolgenden Monaten unfreiwillig arbeitslos ist. Personen ohne Erwerbstätigkeit aus allen EU/EFTA Staaten haben Anspruch auf die „Bewilligung B ohne Erwerbstätigkeit“, wenn sie genügende finanzielle Mittel sowie eine ausreichende Unfall- und Krankenversicherung nachweisen können. Als Nachweis für den Lebensunterhalt genügt ein Kontoauszug mit 2’000 – 3’000 CHF pro Monat. Das bedeutet, wenn man den L-Ausweis für beispielhaft 6 Monate beantragen möchte, sollte man auf seinem Kontoauszug mindestens 12’000 – 18’000 CHF vorzeigen können. Unsere ganz ganz klare Empfehlung sind jedoch mindestens 3’000 CHF pro Monat, da man somit deutlich (!) höhere Erfolgschancen hat.

Drittstaatsangehörigen wird der Ausweis für ein Jahr erteilt und jeweils um ein Jahr verlängert, nach dem fünften Aufenthaltsjahr erfolgt die Verlängerung üblicherweise für zwei Jahre oder bis zur Erteilung der Niederlassungsbewilligung (Ausweis C). Straftaten oder Fürsorgeabhängigkeit führen zum Verlust der Aufenthaltsbewilligung.

Zusammenfassend: Die Aufenthaltsbewilligung B wird an A) Studenten und B) Arbeitnehmer mit unbefristeten Arbeitsvertrag ausgestellt (oder mit einem Arbeitsvertrag von 1 Jahr und länger).

 

Niederlassungsbewilligung C (pastellgrün)

Die Niederlassungsbewilligung C kann für deutsche Staatsbürger nach einem ununterbrochenen Aufenthalt in der gleichen Gemeinde von mindestens  5 Jahren erteilt werden. Das Aufenthaltsrecht ist dann unbefristet und darf nicht an Bedingungen geknüpft werden. Wichtig ist hier, dass der Aufenthalt im gleichen Kanton und in der gleichen Gemeinde stattfindet. Wer 5 Jahre in der Schweiz lebt, aber den Kanton jedes Jahr wechselt, der hat kein Anrecht auf einen C-Ausweis. Eine Niederlassungsbewilligung C soll nur an „vollkommen und sozial integrierte“ Einwanderer ausgegeben werden, deshalb ist das durchgehende Verbleiben an einem Standort Pflicht.

Der hellgrüne Ausweis C (Niederlassungsbewilligung) ermöglicht Ausländern aus dem EU/EFTA-Raum sowie anerkannten Flüchtlingen, welche mindestens fünf Jahre, resp. Drittstaatsangehörigen, welche mindestens zehn Jahre in der Schweiz leben, den uneingeschränkten Aufenthalt.

Zusammenfassung: Wer bereits 5 oder mehr Jahre in der Schweiz lebt, kann eine unbefristete Niederlassungsbewilligung C beantragen.

Aufenthaltsbewilligung mit Erwerbstätigkeit Ci (rot)

Dieser Ausweis ist für Familienangehörige von Beamten und Abgeordneten internationaler Organisationen (z.B. Vereinte Nationen, NATO, Europäische Union) und für Mitglieder ausländischer Vertretungen bestimmt. Als Familienangehörige zählen in diesem Fall Ehegatten und Kinder bis zum 25. Lebensjahr. Die Gültigkeit ist auf die Dauer der Funktion des Hauptinhabers beschränkt.

Der rote Ausweis Ci (Aufenthaltsbewilligung mit Erwerbstätigkeit) wird an Angehörige von Diplomaten und Mitarbeiter internationaler Organisationen erteilt und ist an die Tätigkeit des Diplomaten geknüpft.

Zusammenfassung: Für Familienangehörige von Beamten und Abgeordneten ist der Ausweis Ci gedacht.

Aufenthaltsbewilligung für Rentner und Pensionäre

Rentner aus dem Ausland haben die Möglichkeit für eine Aufenthaltsbewilligung ohne Erwerbstätigkeit. Folgende Bedingungen müssen dafür erfüllt werden:

  • Ein Alter von mindestens 55 Jahren.
  • Es darf keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen werden (Weder im Ausland noch im Inland).
  • Es müssen ausreichend finanzielle Mittel vorhanden sein (etwa 2’000 – 3’000 pro Monat).
  • Es gibt eine persönliche Beziehung zur Schweiz:
    • Entweder durch nahe Verwandte (Eltern, Kinder, Geschwister oder Enkelkinder), die in der Schweiz leben
    • oder durch einen früheren längeren Aufenthalt in der Schweiz
  • Muss eine Unfall- und Krankenversicherung abgeschlossen haben, die alle Risiken übernimmt.

Sans-Papiers

Menschen, die ohne gültige Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz leben, werden Sans-Papiers genannt (zu deutsch „Ohne Papiere“). Die Zahl der Sans-Papiers ist naturgemäss unbekannt. Schätzungen variieren zwischen 80’000 und 300’000 Personen in der Schweiz. Die meisten Sans-Papiers gehen einer Beschäftigung für niedrig Qualifizierte nach. Sans-Papiers arbeiten in Branchen, deren Personalbedarf durch Schweizer oder EU-Staatsangehörige nicht vollständig abgedeckt wird. Sie putzen in privaten Haushalten, betreuen Kinder und Betagte, arbeiten auf Baustellen oder in der Landwirtschaft.

In der Schweiz herrscht die Meinung vor, dass Personen, die sich unrechtmässig in der Schweiz aufhalten, nicht mit der Legalisierung ihres Aufenthaltes «belohnt» werden dürfen, wenn sie sich nur lange genug unrechtmässig im Land aufgehalten haben. Deshalb besteht für Sans-Papiers in der Schweiz kaum die Möglichkeit einer Legalisierung ihres Aufenthaltes, selbst wenn sie in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie Menschen zu Sans-Papiers werden, die häufigsten drei Gründe sind:

  1. Die meisten Sans-Papiers kommen aus sogenannten Drittstaaten (kein EWR-Land) in die Schweiz und haben keine Möglichkeit, sich regulär im Land aufzuhalten. Die Zulassungspraxis für «niedrig Qualifizierte» aus Drittstaaten ist sehr streng. Trotzdem wandern viele Menschen, mehrheitlich Frauen, aus aussereuropäischen Ländern ein.
  2. Eine Aufenthaltsbewilligung ist gewöhnlich an einen Grund gebunden z.B. ein Studium, eine Arbeitsstelle oder an den Verbleib beim Ehepartner. Fällt der Aufenthaltsgrund weg, zum Beispiel bei Beendigung des Studiums oder bei einer Trennung nach weniger als drei Jahren Ehe, wird die Bewilligung entzogen.
  3. Eine weitere Gruppe sind Personen aus dem Asylbereich, die nach einem negativen Entscheid untertauchen oder nicht ausgewiesen werden können.

 

 

 

Was sind die EU-25 Länder und EFTA Staaten?

EU-25 Staaten

Immer wenn auf dieser Seite und allgemein von EU-25 Staaten gesprochen wir geht es konkret um die Länder: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grossbritannien, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Slowenien, Slowakische Republik, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn und Zypern.

EFTA Staaten

Zu den EFTA Staaten gehören: Fürstentum Liechtenstein, Island, Norwegen und die Schweiz. EFTA bedeutet European Free Trade Association (Europäische Freihandelsassoziation), diese Staaten sind kein Mitglied der EU, besitzen aber einige Sonderrechte in der Europäischen Union.

 

 

 

 

 

 

Unser Bestseller-Buch, nur für dich: Schweizerdeutsch für Anfänger.

Schweizerdeutsch in 30 Tagen - das Buch


Das verhebt imfall, zu Amazon!
Welchen Ausländerausweis in der Schweiz brauche ich?

13 Gedanken zu „Welchen Ausländerausweis in der Schweiz brauche ich?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.