Schweizer Schülerinnen sind besser als ihre männlichen Kollegen. Sie hängen die Männer in der Schule locker ab. Karriere aber machen in der Schweiz hauptsächlich Männer. Woran das liegt? Daran, dass in der Schweiz der Kinderwunsch der Karrierekiller Nummer Eins ist. Noch immer müssen sich Frauen zwischen eigenem Nachwuchs und einer Position in der Chefetage entscheiden.

Frauen sind in der Schweizer Wirtschaft massiv untervertreten
Frauen sind in der Schweizer Wirtschaft massiv untervertreten

 

Einer der wichtigsten Faktoren, dass Frauen ihre Karriere nicht gleich gut vorantreiben können wie Männer, ist das schlechte Angebot an Kinderbetreuung. In der Schweiz fehlt es vor allem an landesweiten, für alle erschwinglichen Tagesstrukturen mit firmenfreundlichen Öffnungszeiten. Bei der wirtschaftlichen Gleichberechtigung ist die Schweiz im Vergleich zum Vorjahr denn auch um drei Plätze abgerutscht.

Schweiz liegt auf dem 20. Platz

Die Schweiz liegt im Gleichstellungsranking des WEF auf Rang 20 von insgesamt 149. Kein Ergebnis, auf dass das Land stolz sein kann. Vor allem wenn man bedenkt, dass Länder wie Ruanda, Nicaragua und die Philippinen die Schweiz weit hinter sich lassen. Das WEF misst die Gleichstellung in vier Bereichen:

  • Bildung
  • Gesundheit
  • Politik
  • Wirtschaft

Und genau beim letzten Punkt schneidet die Schweiz sehr schlecht ab. Gemäss WEF dauert es noch über 200 Jahre, bis Frauen im Schweizer Arbeitsmarkt gleichberechtigt sind und die gleichen Chancen, Löhne und Jobs wie ihre männlichen Kollegen haben. Wenn die Schweiz nicht aufs Tempo drückt und die nötige Unterstützung und Infrastruktur bereitstellt.

Globaler Gleichstellungsindex WEF 2018

Rang Land
1. Island
2. Norwegen
3. Schweden
4. Finnland
5. Nicaragua
6. Ruanda
7. Neuseeland
8. Philippinen
9. Irland
10. Namibia
12. Frankreich
14. Deutschland
15. Grossbritannien
20. Schweiz
51. USA
53. Österreich
70. Italien

Nicht das Geschlecht entscheidet, sondern die Qualifikation

Wichtig wäre es, dass Arbeitgeber nicht mehr zwischen Männern und Frauen entscheiden, sondern den Kandidaten mit der besten Qualifikation einstellen. Das geht aber nur, wenn für alle Leute die gleichen Bedingungen gelten. Deshalb braucht die Schweiz endlich einen Elternurlaub für Mütter und Väter.

Das schlechte Angebot an Kinderbetreuung macht es für Frauen schwierig, Vollzeit zu arbeiten
Das schlechte Angebot an Kinderbetreuung macht es für Frauen schwierig, Vollzeit zu arbeiten

Der Mutterschaftsurlaub ist einer der wettbewerbsverzerrendster Faktoren in der Schweizer Wirtschaft überhaupt. Denn er trifft auch Frauen, die gar keine Kinder wollen. Da sie aber Frauen sind, selbst wenn sie über top Qualifikationen und Ausbildungen verfügen, werden sie vorsorglich gar nicht eingestellt, um das Risiko eines Mutterschaftsurlaubs umgehen zu können.

Ein Blick nach Europa zeigt: überall hat es mehr Frauen in Chefpositionen als in der Schweiz. Das liegt an der frauenfreundlichen Familienpolitik, die vor allem in den nordischen Ländern zur Tagesordnung gehört. Doch auch in Deutschland weiss der Arbeitgeber zum Beispiel nicht, ob der Mann oder die Frau im Geschäft fehlen wird, sollten sie Eltern werden – weil es dort einen Elternurlaub gibt, den sich Vater und Mutter untereinander aufteilen können. Also erhält dort der oder die Beste den Job.

Frauen bleibt die Teilzeitarbeit

Aufgrund der fehlenden Unterstützung in der Kinderbetreuung sehen sich viele Frauen in der Schweiz gezwungen, sich mit Teilzeitjobs zu begnügen. Um Kind und Beruf irgendwie unter einen Hut zu bringen.

Frauen bleibt oft nur die Teilzeitarbeit
Frauen bleibt oft nur die Teilzeitarbeit

Rund 60 Prozent der Frauen arbeiten in der Schweiz Teilzeit, aber lediglich 17 Prozent der Männer gehen keiner Vollbeschäftigung nach. Laut dem Bundesamt für Statistik reduziert gut ein Viertel der Frauen ihr Pensum auf unter 50 Prozent, aber nur gerade 6 Prozent der Männer bauen den Beschäftigungsgrad derart stark ab.

Teilzeitarbeit heisst vor allem, auf dem beruflichen Abstellgleis zu landen. Denn Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen sind damit quasi vertan. Zudem bedeutet die Teilzeitarbeit oft auch ungesicherte Arbeitsverhältnisse und eine schlechtere soziale Absicherung.

Lohnunterschied ein weiterer Faktor

Warum nicht mehr Männer in der Schweiz Teilzeit arbeiten, liegt auch am grossen Lohngefälle zwischen den beiden Geschlechtern.

Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern beträgt im Schnitt 18 Prozent. Da ist der Entscheid, wer von beiden Elternteilen Vollzeit arbeiten geht, schnell gemacht.

Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern liegt in der Schweiz im Schnitt bei 18%
Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern liegt in der Schweiz im Schnitt bei 18%

Ein grosser Teil dieser 18 Prozent lässt sich dadurch erklären, dass Frauen häufiger Berufe ausüben, die schlecht bezahlt sind, oder dass sie seltener zum Kader gehören.

Es bleibt aber ein Lohnunterschied von fast 8 Prozent, der durch diese Faktoren nicht erklärbar ist. Erfahrungen aus der Arbeitswelt zeigen, dass der markante Unterschied auch an den Frauen liegt, denn in der Regel treten sie weniger fordernd auf und verkaufen sich in Vorstellungsgesprächen oft unter ihrem Wert.

Frauen müssen fordernder werden

Experten raten Frauen daher, besser zu artikulieren, was sie wollen und härter zu Verhandeln. Warum dass (noch) nicht der Fall ist, hat auch mit dem Rollenbild zu tun. Nach wie vor existieren Vorurteile, wie ein Mann und wie eine Frau sich zu verhalten hat. Gerade auch im Berufsleben. Frauen, die ausscheren und fordernd und bestimmend auftreten, werden oft als «Mannsweiber» oder eine «mit Haaren auf den Zähnen» abdegradiert. Dabei verhält sie sich lediglich so, wie es auch die Männer tun. Frauen tun am besten daran,  sowohl die Männer- wie auch die Frauensprache zu lernen. Will heissen, dort wo es darauf ankommt, hartnäckig zu sein und sich nicht damit zufrieden zu geben, was einem angeboten wird. Und gleichzeitig aber auf typisch weibliche Stärken wie z.B. Teamfähigkeit und Empathie zu setzen.

Es braucht den Willen aller

Damit Frauen endlich ihr volles Potential ausschöpfen können und angemessen in der Schweizer Wirtschaft vertreten sind, braucht es Zugeständnisse und den Willen von Politik, Arbeitgebern, Männern und Frauen.

Wir schon schweizerdeutsch-lernen.ch können die Situation leider nicht ändern. Aber wir wissen, dass ausländische Arbeitnehmer die Schweizerdeutsch sprechen, eine grössere Chance haben, in der Schweiz einen Job zu finden. Wenn du also weiblich und auf der Suche nach einer neuen Stelle bist, dann macht es sich hervorragend in deinem CV, wenn du den hiesigen Dialekt beherrschst.

 

Warum haben es Frauen in der Schweizer Wirtschaft so schwer?

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