Du hast dich auf eine Stelle beworben und eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten. Offensichtlich hast du viel zu bieten und bist ein qualifizierter Bewerber respektive eine qualifizierte Bewerberin. Nun geht es darum, dich optimal auf das Gespräch vorzubereiten, damit du deinen zukünftigen Vorgesetzten und/oder den Personalverantwortlichen von dir überzeugen kannst.

Eine gute Vorbereitung macht sicher für das effektive Vorstellungsgespräch
Eine gute Vorbereitung gibt Sicherheit und Selbstvertrauen für das effektive Vorstellungsgespräch

Eine minuziöse Vorbereitung ist bereits die halbe Miete

Je besser du vorbereitet bist, desto höher die Chance, dass du den Job kriegst. Als Erstes bestätige den Termin des Vorstellungsgesprächs, am besten schriftlich. Dann beginne, dich über die Firma, die dein potentieller neuer Arbeitgeber werden könnte, zu informieren.

Schau dir Wirtschaftsdaten wie Umsatz, Gewinn und Mitarbeiterzahl an und finde so viel wie möglich über die Dienstleistungen und Produkte heraus, die die Firma anbietet. Eine gute Anlaufstelle dafür ist das Internet. Schau dir die Webseite des Unternehmens genau an und lese den Geschäftsbericht. Informiere dich auch über die wichtigsten Konkurrenten und die Branche an sich. Das zeugt von wirklichem Interesse. Dann schau, was bei Google herauskommt, und als letztes frag in deinem persönlichen Umfeld, ob jemand die Firma kennt oder vielleicht dort gearbeitet hat.

Was nehme ich mit ins Gespräch

Am besten du stellst dir eine Bewerbungsmappe zusammen, die alle nötigen Informationen beinhaltet:

  • Einladung und Stellenanzeige
  • Name und Telefonnummer deines Ansprechpartners
  • Vollständigen Bewerbungsunterlagen
  • Gesammelten Informationen über das Unternehmen, die Branche und die Konkurrenz
  • Fragen an den Arbeitgeber
  • Leerblätter für eigene Notizen

 

 

Der grosse Tag ist gekommen

Der Tag des Gesprächs ist da. Ein Vorstellungsgespräch ist per se eine Stresssituation. Damit du so ruhig wie möglich ins Gespräch gehen kannst, ist es darum umso wichtiger, dass du dich am Tag selbst gut organisierst.

Kleider machen Leute

Die Kleiderwahl für das Gespräch sollte zum Job und der Branche passen
Die Kleiderwahl für das Gespräch sollte zum Job und der Branche passen

Überlege dir schon am Vorabend, was du zum Vorstellungstermin anziehen willst. Dabei gilt folgender Grundsatz: die Kleidung sollte dem entsprechen, was auch später am Arbeitsplatz üblich ist. Bewirbst du dich in einer Bank oder Versicherung, dann trag Anzug und Krawatte. Handelt es sich um eine kreative Branche wie zum Beispiel eine Werbe- oder Designagentur, dann kann es etwas legerer sein. Auf jeden Fall solltest du lieber over- als underdressed sein. Und dich in deiner Kleidung wohl fühlen. Verkleide dich nicht. Das Wichtigste bei einem Vorstellungsgespräch ist, dass du dich selbst bist. Alles andere wird sofort durchschaut.

Stärke dein Selbstvertrauen

Mach dich mental fit für das Gespräch. Nur wenn du von dir überzeugt bist, werden es auch deine Gegenüber sein. Was meistens gut klappt, ist, wenn du vor dem Vorstellungsgespräch deinem Spiegelbild lange ins Gesicht lachst. Oder dir ein Erlebnis vergegenwärtigst, bei dem du besonders glücklich oder erfolgreich warst. Allein der Gedanke daran schüttet Glückshormone aus und verleiht dir eine positive Energie, die du mit ins Gespräch nehmen kannst. Du kannst auch für zwei Minuten in eine Starthaltung gehen, so als wolltest du gleich ein Rennen laufen. Das macht dich gedanklich und hormonell bereit für die Herausforderung.

Das eigentliche Vorstellungsgespräch

Jedes Gespräch verläuft unterschiedlich. Aber gewisse Themen sind gegeben und kommen in fast jedem Interview vor.

Fragen und Antworten

Während dem Vorstellungsgespräch wird dir der Vertreter deines potenziellen Arbeitgebers viele Fragen stellen. Dazu gehören unter anderem Standardfragen zu:

  • deiner Person
  • deinem Werdegang
  • den Gründen für deine Bewerbung
  • warum du geeignet bist für den Job
  • deinen Qualifikationen
  • deiner Arbeitsweise
  • deiner Team- und Leistungsfähigkeit
  • deinem Verhalten in Stress- und Konfliktsituationen
  • allfälligen Lücken im CV (aufgrund Auslandaufenthalt, Sabatical etc.)

Die Antworten auf solche Fragen solltest du dir bereits im Vorfeld überlegt haben. Sie sollten klar und einfach nachvollziehbar sein und der Wahrheit entsprechen.

 

 

Was darf gefragt werden und was nicht?

Generell gibt es sogenannte zulässige und unzulässige Fragen.

Zulässige Fragen

  • Was hat Sie dazu veranlasst, sich bei uns zu bewerben?
  • Was motiviert Sie?
  • Welche beruflichen Ziele verfolgen Sie mittelfristig?
  • Welches sind Ihre Stärken und Schwächen?
  • In welchem Umfeld sind Sie aufgewachsen?
  • Haben Sie irgendwelche gesundheitlichen Einschränkungen?
  • Sind Sie mobil? Wären Sie bereit, ins Ausland zu gehen?
  • Üben Sie derzeit Nebentätigkeiten aus?
  • Sind Sie auch bereit, Überstunden zu leisten?
Gewisse Fragen sind unzulässig, wie zum Beispiel alles rund um die Familienplanung
Gewisse Fragen sind unzulässig, wie zum Beispiel Fragen rund um die Familienplanung

Unzulässige Fragen

Unzulässige Fragen müssen – zumindest rein juristisch betrachtet – nicht wahrheitsgemäss beantwortet werden. Wenn dir eine unzuläsige Frage gestellt wird, dann versuche trotzdem ruhig und sachlich zu bleiben und eine möglichst neutrale Antwort zu formulieren. Wenn du beispielsweise als Frau nach deiner Familienplanung gefragt wirst, dann antworte zum Beispiel: «Das hat noch Zeit. Ich möchte mich erst auf meine berufliche Entwicklung konzentrieren.» Weitere unzulässige Fragen sind:

  • Gehören Sie einer Partei / Gewerkschaft an?
  • Sind Sie zum jetzigen Zeitpunkt schwanger?
  • Wie sieht Ihre Familienplanung aus?
  • Welcher Religion gehören Sie an?
  • Wie sind Ihre Vermögensverhältnisse?
  • Sind Sie vorbestraft?
  • Sind Sie homosexuell / heterosexuell?

Die ewige Frage nach den Stärken und Schwächen

Sie ist ein Klassiker und wird mit Sicherheit in jedem Vorstellungsgespräch gestellt, die Frage nach den Stärken und Schwächen eines Kandidaten. Es empfiehlt sich, immer mehr Stärken als Schwächen und wenn möglich nur eine harmlose Schwäche zu nennen.

Such dir für deine Schwäche also persönliche Fehler aus, die sich auch ins Positive drehen lassen. Wie zum Beispiel ungeduldig sein. Das lässt sich auch so verstehen, dass man die Dinge immer sofort anpacken will.

Kein gutes Beispiel sind Schwächen, die sich direkt in Beziehung zum Job setzen lassen. Wenn du beispielsweise schlecht in der deutschen Rechtschreibung bist und dich als Texter bewirbst, schaufelst du dir mit zu viel Ehrlichkeit dein eigenes Grab.

Auch du darfst Fragen stellen

Im Anschluss an die Fragen deines Interviewpartners oder am Ende des Gesprächs hast du die Gelegenheit, deine Fragen zu stellen und Informationen über die künftige Stelle einzuholen. Schreibe dir diese Fragen im Vorfeld auf, damit du diese Punkt für Punkt «abarbeiten» kannst. Achte darauf, dass deine vorbereiteten Fragen nicht schon im bisherigen Teil des Gesprächs beantwortet wurden, respektive stelle nur die Fragen, die noch offen sind.

Hier einige Beispiele zu den Themen, die du ansprechen solltest:

  • Tätigkeitsinhalte, Aufgabenbereiche und Verantwortung
  • Teamstruktur und Vorgesetzte
  • «Historie» der Stelle, wenn es sich um eine bestehende Stelle handelt (z.B. Warum wird die Stelle neu besetzt?), bzw. was führte zur Neuschaffung der Stelle
  • Dauer und Gestaltung der Einarbeitung
  • Gestaltung der Arbeitszeiten (feste Arbeitszeit oder Gleitzeit, Kernarbeitszeiten…)
  • Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen, evtl. in Verbindung mit Weiterbildungmassnahmen

Die Lohnfrage

In der Schweiz sind 13 Monatsgehälter üblich

Das Thema Lohn wird im ersten Gespräch meist nur oberflächlich besprochen, aber es kommt meistens zur Sprache. In der Regel wirst du vom Personalverantwortlichen gefragt, was du dir vorstellst. Sei selbstsicher und nenne eine Lohnspanne anstelle einer fixen Zahl. Das gibt dir später mehr Raum für die Verhandlung. Informiere dich vorgehend über die branchenüblichen Gehälter.

Beachte, dass in der Schweiz immer über das Bruttogehalt verhandelt wird. Der Nettolohn ist nie ein Thema. Zudem werden in der Schweiz 13 Monatslöhne ausbezahlt. Der 13. Monatslohn ist eine Gratifikation und wird zusammen mit dem Dezemberlohn überwiesen. Wenn du also von deinem Jahreslohn den Monatslohn ausrechnen willst, musst du das Jahresgehalt durch 13 teilen.

Die Körpersprache entscheidet mit

90% des Eindrucks, den wir von einer Person gewinnen, hängt davon ab, wie er oder sie sich gibt, spricht oder sich verhält. Nur gerade 10% hängen davon ab, was jemand weiss oder sagt. Achte darum bewusste auf deine Körpersprache während des Interviews.

Gestik

Positiv Was signalisiert es?
Geweitete Pupillen Interesse
Armbewegungen oberhalb der Taille Sicherheit

 

Negativ Was signalisiert es?
Mit den Fingern auf dem Tisch trommeln Unsicherheit, Desinteresse
Mit den Händen ein Spitzdach in Richtung des Gesprächpartners bilden Unsicherheit und Ablehnung
Hände vor der Brust oder Arme verschränken Unsicherheit, grosse Anspannung, Abschottung

Mimik

Positiv Was signalisiert es?
Blickkontakt halten Interesse
„Leises“ Lächeln in den Augen Aufgeschlossenheit, Freundlichkeit

 

Negativ Was signalisiert es?
Gerümpfte Nase, verengte Pupillen, Stirnrunzeln oder sehr häufiger Lidschlag Unsicherheit
Angehobene Augenbrauen oder ein geöffneter Mund Erstaunen oder gar Skepsis
Zusammengekniffene Lippen Innere Anspannung
Ständiges Wegschauen Verlegenheit oder gar Desinteresse

Stimme

Positiv Was signalisiert es?
Deutliche Sprechweise Interesse am Austausch
Angenehme „normale“ Lautstärke Sicherheit

 

Negativ Was signalisiert es?
Sehr leise Stimme Unsicherheit
Nuscheln, undeutliches Sprechen Unsicherheit
Sehr langsames Sprechen Unsicherheit, mangelnde Dynamik
Zu schnelles Sprechen Nervosität
Laute, polternde Sprechweise Arroganz, Überheblichkeit

Haltung

Positiv Was signalisiert es?
Aufrechter Stand oder aufrechtes Sitzen Sicherheit
Annäherung des Oberkörpers Zustimmung
Verhalten des Gesprächspartners spiegeln Zustimmung, Interesse (Empathie)

 

Negativ Was signalisiert es?
Lässige Sitzposition Überheblichkeit, Desinteresse
Auf der Vorderkante der Sitzfläche sitzen Unsicherheit, Anspannung
Zum Teil abgewandter Körper Überheblichkeit, Desinteresse, Ablehnung
Oberkörper zurücklehnen Ablehnung, Distanz schaffen
Arme um den eigenen Oberkörper verschränken Ablehnung, Abschottung
Füsse um die Stuhlbeine Unsicherheit, Anspannung
Mit einem Fuss /Bein wippen Nervosität, Desinteresse

Abschluss und Verabschiedung

Das Ende eines Vorstellungsgesprächs wird vom potentiellen Arbeitgeber, also deinem Gegenüber, bestimmt. Auch wenn er oder sie die Unterlagenmappe vor sich bereits zusammengeklappt hat gilt, stehe auf keinen Fall als erster auf. Das vermittelt, dass du froh bist, endlich gehen zu können.

Normalerweise informiert dich der Personalverantwortliche, wie das weitere Vorgehen genau von Statten gehen wird. Sollte es dir zu wenig klar sein, dann frage zurück, ob du es richtig verstanden hast. Bedanke dich auf jeden Fall für das spannende und angenehme Gespräch und verabschiede dich mit einem festen Händedruck.

Nach dem Gespräch ist vor dem Gespräch

Ziehe für dich nach dem Gespräch Bilanz und frage dich:

  • Passen Firma und Job zu dir. Würdest du in der Firma das finden, um deine beruflichen Ziele zu verwirklichen?
  • Was kannst du der Firma bieten?
  • Entspricht die Firmenkultur deinen persönlichen Werten? Denke an die Anforderungen und Erwartungen, die an dich gestellt werden.
  • Lässt sich die Tätigkeit mit deinem Privatleben (Familie, Freizeit usw.) im Sinne der „work-life-balance“ vereinbaren?
  • Bist du weiterhin am Job interessiert, vorausgesetzt du wirst zu einem zweiten Gespräch eingeladen?
Interessiert dich ein Job auch nach dem ersten Gespräch, bekunde dies in einer E-Mail
Interessiert dich ein Job auch nach dem ersten Gespräch, bekunde dies in einer E-Mail

Wenn ja, schicke deiner Ansprechperson am Tag darauf eine E-Mail, in der du dich erneut für das Gespräch bedankst und dein Interesse an der Stelle betonst. Hier unbedingt einen persönlichen Bezug zu dir schaffen, warum du für den Job geeignet bist. Das gibt dir die Möglichkeit, deine Stärken nochmals zu unterstreichen.

Schweizerdeutsch als Bonus

Wenn du dich als Ausländer für einen Job in der Schweiz bewirbst, dann ist das Thema der Integration äusserst wichtig. Es kann zwar sein, dass du für die Ausübung des Jobs keine Schweizerdeutsch-Kenntnisse brauchst. Aber du erhöhst deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt enorm, wenn du Schweizerdeutsch verstehst oder sogar sprichst. Das zeugt von deinem Willen, Neues zu Lernen und dich vollständig zu integrieren. Darum melde dich noch heute für unseren Online-Kurs an, damit bei deinem nächsten Vorstellungsgespräch punkten kannst.

 

 

Vorstellungsgespräch: Sie sind sofort eingestellt! So klappt es in der Schweiz

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