Das ist eine eindeutige Frage, die sich weder mit einem klaren Ja noch einem sicheren Nein beantworten lässt. Manch Deutscher kann es recht gut verstehen. Andere verstehen kein Wort – und das wortwörtlich.

Teste dein Können

Eine Gegenfrage sei gestattet. Verstehst du folgenden kleinen Dialog?

– Hyvää huomenta. Minun nimeni on Gritli.
– Hyvää huomenta. Minun nimeni on Ferdi.
– Mitä sinulle kuuluu, Ferdi?

Nicht verstanden? Keine Sorge, falls Du kein Finnisch sprichst, hattest Du keine Chance. Und wie sieht es hiermit aus?

Guete Morge. Mi Name isch Gritli.
Guete Morge. Mi Name isch Ferdi.
– Wie gaht’s dir, Ferdi?

Verstehst du einen Schweizerdeutschen Dialog?
Verstehst du einen Schweizerdeutschen Dialog?

Zweifellos sind diese, zugegebenermaßen einfachen Sätze für alle Deutschen leicht verständlich. Gritli und Ferdi erscheinen im Zusammenhang nun auch nicht mehr wie fremde Wörter, sondern sind als miteinander kommunizierende Personen erkennbar.

Würden wir den kleinen Gesprächsausschnitt hören, ohne zu sehen, wäre das Verstehen schwieriger. Macht man sich jedoch mit der Aussprache, für die es einfach zu studierende Regeln gibt, vertraut, wird es bald kein Problem mehr sein.
Als Beispiel sei der prägnante, für Nichtschweizer so charmant klingende X-Laut genannt. Vereinfacht gilt bezüglich diesem folgende Ausspracheregel: Stock [ʃtok͡x], Sack [z̥ak͡x] Karibik [k͡xaˈrib̥ik͡x], Kunst [k͡xʊnʃt]).
Ein weiteres Beispiel: In der Deutschschweiz ist die Verkleinerungsform weitaus verbreiteter als in Deutschland. Diese sehr sympathische, warme Art wird mit der reizenden Endung -li gebildet. Dabei muss das Objekt der Verkleinerung nicht tatsächlich niedlich oder klein sein – ob es sich um ein Tüüfeli (von Teufel), ein Hüüsli (von Haus) oder gar um ein Rüüschli (von Rausch) handelt. Richtlinien, wie diese beiden, lassen sich nicht nur beim Hören, sondern in entgegengesetzter Richtung ebenso beim Sprechen anwenden. Doch sei vorsichtig, nicht bei jedem Wort lässt sich diese Regel anwenden und der Schuss kann nach hinter losgehen.

Sprachen der Schweiz

Die vier Sprachen der Schweiz
Die vier Sprachen der Schweiz

In der Schweiz sind vier Amtssprachen festgeschrieben: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch; wobei Rätoromanisch eine geringe, Schweizerdeutsch die größte Verbreitung im Alpenstaat hat. So sagt man im Allgemeinen, in der Schweiz würden vier Sprachen gesprochen.

Doch genau das ist so nicht korrekt. Damit sind wir am Punkt angekommen, warum manche es für unmöglich halten, Schweizerdeutsch zu verstehen oder gar zu erlernen. Das eine Schweizerdeutsch existiert nämlich nicht. Unter dem Begriff werden viele alemannische Dialekte zusammengefasst. Das klingt schwieriger, als es den Anschein hat. Zwar gibt es markante Unterschiede in den Dialekten. Einige weisen starke Ausprägungen im Akzent wie auch in regionalen Eigenheiten auf. Verstehen können sich jedoch alle Deutschschweizer untereinander. Es gibt keinen Grund, sich durch die Vielzahl der Dialekt-Untergruppen abschrecken zu lassen.

Der Vorteil für die Deutschen

Im Gegenteil: Die Tatsache, dass es sich um alemannische Dialekte handelt, macht die Sprache für Deutsche einfach. In der Alternativbezeichnung „westoberdeutsche Dialekte“ wird deutlich, es ist eine zum Deutschen zählende Dialektgruppe. Anderen süddeutschen Dialektgruppen ähnlich, ist Schweizerdeutsch für Süddeutsche leichter zu verstehen. Aufgrund der vielen gemeinsamen Sprachmerkmale können sowohl Verstehen wie auch Sprechen von allen Deutschen problemlos erlernt werden. Norddeutschen sind viele der Besonderheiten in südlichen Dialekten bereits durch Filme, Urlaube oder Freunde vertraut.

Fazit

Oft, doch keineswegs immer, kannst du dir den Sinn oder die Bedeutung einzelner beziehungsweise mehrerer Wörter zusammenreimen. Daher kommt auch beim Aneignen von Schweizerdeutsch keiner drum herum, Vokabeln zu lernen. Anders ist ein wirkliches Verstehen nicht möglich.

Machst du dich darüber hinaus noch mit Grammatik- und Ausspracheregeln vertraut, steht dem Sprechen nichts im Wege. Wobei hier genauso wie bei anderen Sprachen gilt: üben, üben, üben. Schweizerdeutsche Musik, Hörspiele, Hörbücher oder Radiosendungen lassen sich nebenbei hören. Bald erscheint dir die Sprache selbstverständlich.
Und falls ein Skeptiker warnen sollte, dass Deutsche nie wie Einheimische der deutschen Schweiz sprechen würden, lass dich nicht beirren. Ein Akzent ist immer charmant. Und so beruhigend die Tatsache ist, dass sie unser Hochdeutsch verstehen, so angetan wird die große Mehrzahl der Schweizer von deinem Schweizerdeutsch sein; allein schon vom sprachlichen Entgegenkommen.

Jetzt endlich wieder verfügbar!
Wir entschuldigen uns vielmals für die technischen Probleme wegen der hohen Nachfrage
50% Rabatt nur noch heute, 17.12.2018 - sichere dir den Kurs jetzt, bevor es zu spät ist!
Stimmt es, dass alle Deutschen Schweizerdeutsch verstehen?

3 Gedanken zu „Stimmt es, dass alle Deutschen Schweizerdeutsch verstehen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.