Die Schweiz ist eine Grillnation. Auch wenn das Wetter im Sommer oft unbeständig ist, lassen sich die Schweizer ihre geliebte Grillparty nicht verderben. Egal ob auf dem eigenen Balkon oder im Freien, Grillieren ist DAS Volksvergnügen der Schweizer im Sommer.

Grillieren ist des Schweizers Lieblingsbeschäftigung im Sommer
Grillieren ist des Schweizers Lieblingsbeschäftigung im Sommer

Wenn die Nächte wieder länger und wärmer werden, dann rüsten sich die Schweizer zum grillieren. Ja, wir wissen Bescheid. Auf Hochdeutsch heisst es grillen. Aber im sogenannten Schweizerhochdeutsch sagt man «grillieren». Und auf Schweizerdeutsch heisst es dann «grilliärä».

Auf Terrassen und Balkonen, an der Seepromenade oder im Wald wird grilliert was das Zeug hält. Die Sommer sind kurz, also muss man jeden schönen Abend nutzen. Doch was legen die Schweizer am liebsten auf den Grill? Fleisch, Wurst, Käse oder Gemüse? Und was braucht es zur perfekten Grillparty?

Die Cervelat ist den Schweizern nicht Wurst

Am liebsten grillieren Schweizer Wurstwaren, insbesondere Cervelat. Der Cervelat ist DIE Schweizer Nationalwurst und hat je nach Region unterschiedliche Namen: in der Romandie wird er Cervelas genannt, in Zürich phonetisch Servela, in Basel heisst er Klöpfer und in St. Gallen nennen sie ihn Stumpen.

Ein echter Cervelat enthält Schweine- und Rindflsch, Speck und Schwarte sowie Eis, Salz, Pökelsalz und eine Gewürzmischung aus Pfeffer, Muskatblüte und Knoblauch. Innereien enthält er nicht. Alle Zutaten werden zerkleinert, anschliessend in einen Rinderdarm abgefüllt und dann geräuchert.

Nichts grilliert der Schweizer lieber als eine Wurst
Nichts grilliert der Schweizer lieber als eine Wurst

Die Cervelat-Krise

Der Cervelat wurde bis 2006 in besonders dünne Därme vom brasilianischen Zeburind abgefüllt. Als 2006 die EU und damit auch die Schweiz aus Furcht vor BSE den Import dieser Därme verboten hatte, kam es zu einer Knappheit der brasilianischen Därme und zu einer “Cervelat-Krise”, die die ganze Schweiz in grosse Aufruhr versetzte. Mancher Schweizer befürchtete gar ein Aussterben seiner Nationalwurst. Mittlerweile wird der gröste Teil der Nachfrage mit Naturdärmen aus Argentinien, Paraguay und Uruguay gedeckt.

Der Name Cervelat stammen vom italienischen cervellata, aus lateinisch cerebellum, der Verkleinerungsform von cerebrum, “Gehirn”. Heute wird allerdings kein Hirn mehr bei der Herstellung des Cervelats verwendet.

Der Cervelat ist übrigens besonders in der Deutschschweiz äusserst beliebt. Nebst der Kalbsbratwurst. Im Tessin grilliert man lieber die traditionelle Luganighetta. Keine grossen Wurst-Freunde sind die Romands. Die schmeissen lieber Spiessli auf den Grill oder gerne auch Lammfleisch oder Fisch.

Auch Vegetarier grillieren gerne

Doch auch Vegetarier kommen bei der Grillparty auf ihre Kosten. Besonders beliebt ist der Halloumi-Käse, ein halbfester Käse aus der Milch von Kühen, Schafen oder Ziegen. Natürlich dürfen Kartoffeln und verschiedenen Gemüse nicht fehlen. Diese sollten am besten am Spiess gebraten werden, das sieht auch sehr dekorativ aus. Denn das Auge isst ja auch immer mit.

Die Dekoration sorgt für gute Stimmung und der Müllsack für Ordnung

Wichtig bei einer Grillparty ist die gute Stimmung und die gemütliche Atmosphäre. Letzteres erzeugst du ganz einfach, in dem du ein paar Lichterketten oder Lampions aufhängst. Die Lampions haben grosse Tradition in der Schweiz und werden besonders am 1. August, dem Nationalfeiertag, fleissig genutzt.

Lampions sind äusserst beliebt an Grillpartys, besonders am 1. August
Lampions sind äusserst beliebt an Grillpartys, besonders am 1. August

Auch Fackeln sorgen für ein Lagerfeueerfeeling und sind äusserst beliebt. Zusätzlich braucht es bequeme Sitzkissen oder Stühle und Bänke sowie ausreichend Teller, Besteck und Becher. Auf keinen Fall die Müllsäcke vergessen! Wenn Schweizer grillieren, sind sie sehr erpicht, dass der Abfall immer sofort entsorgt wird. Nichts nervt Schweizer mehr als herumliegender Müll auf öffentlichen Grillplätzen.

Die Grillparty ist ideal für Familien

Da eine Grillparty meistens im Freien stattfindet, ist sie besonders für Familien mit Kindern ideal. Während die Erwachsenen sich gemütlich unterhalten, können die Kinder auf der Wiese oder im Wald herumtoben. Zum Gemeinschaftserlebnis wird der Grillabend, wenn man sich schon am späten Nachmittag triff und das Essen gemeinsam vorbereitet.

Jeder bringt etwas mit

In der Schweiz ist es normal, dass jeder der zu einer Grillparty eingeladen wird, etwas mitbringt. Entweder etwas zu Essen oder zu Trinken. Mit leeren Händen zu erscheinen, wird in der Schweiz als extrem unhöflich empfunden. Für die perfekte Organisation sind Whatsapp-Gruppen geeignet. Auf diesem Weg kann jeder mitteilen, was er mitbringen wird und alle sind darüber informiert. So kann vermieden werden, dass es an der Party 20 Liter Bier aber kein Fleisch für auf den Grill gibt.

Grillieren auf dem Balkon – denk an die Nachbarn

Besonders wer in der Stadt wohnt, wird keinen Garten zum Grillieren zur Verfügung haben. Dafür aber einen Balkon. Doch darf man in der Schweiz überhaupt auf dem Balkon grillieren?

Grillieren auf dem eigenen Balkon kann zu Ärger mit den Nachbarn führen. Darum bitte Rücksicht nehmen
Grillieren auf dem eigenen Balkon kann zu Ärger mit den Nachbarn führen. Darum bitte Rücksicht nehmen

Kein generelles Grillverbot in der Schweiz

Das Problem beim Grillieren auf dem Balkon ist der beissende Rauch sowie die zu laute Musik. Beides stören Nachbarn und sorgen immer wieder für rote Köpfe. In der Schweiz herrscht trotzdem kein generelles Balkon-Grillverbot.  Allerdings können Vermieter Einschränkungsregelungen treffen, wie z. B. zeitliche Begrenzungen. Hält man sich nicht an die Hausordnung, läuft man Gefahr, eine Abmahnung oder – wenn man sich weiter widersetzt – eine Kündigung vom Vermieter zu bekommen. Grundsätzlich gilt, aufeinander Rücksicht zu nehmen und den gesunden Menschenverstand einzusetzen. Planst du eine Grillparty im grossen Stil ist es empfehlenswert, deine Nachbarn vorab darüber zu informieren und sie sogar zu der Party einzuladen. Das ist der sicherste Weg, um Reklamationen zu vermeiden.

Ordnung geht vor – besonders nach der Party

Nach der Grillparty herrscht oft Chaos auf dem Balkon: dreckiges Geschirr, Essensreste und volle Aschenbecher tummeln sich auf dem Tisch. Das ist kein schöner Anblick für die Nachbarn und lockt mit der Zeit auch Ungeziefer an. Aus diesem Grund solltest du als Gastgeber nach dem Grillieren alles wieder in Ordnung bringen, den Müll ordentlich trennen, den Grill putzen und das Geschirr abspülen. Und wenn alle Gäste mithelfen, ist die Arbeit auch schnell erledigt.

Die wichtigsten schweizerdeutschen Begriffe rund ums Grillieren

Grillpartys sind der perfekte Anlass, um neue Leute kennenzulernen und ungezwungen zu plaudern. Vielleicht lernst du ja sogar ein paar Schweizer kennen. Das ist das Basisvokabular rund ums Grillieren:

Schweizerdeutsch Hochdeutsch
Grill Grill
Holzcholä Holzkohle
afürä anfeuern / anzünden
Gluät Glut
Chübelsack Müllsack
Biilage Beilagen
Würscht Würste
Bsteck Besteck
vercholät Verkohlt
Härdöpfel Kartoffel
Spiessli Spiess

Damit du an der nächsten Grillparty mehr als nur ein paar Brocken Schweizerdeutsch sprechen kannst, melde dich noch heute für unseren Online-Kurs an. So bleibt dir genügend Zeit, bis zur nächsten Grillparty die wichtigsten Schweizerdeutschen Wörter zu lernen.

 

So grillieren Schweizer: alles für die perfekte Party

2 Gedanken zu „So grillieren Schweizer: alles für die perfekte Party

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