So manche Ausdrücke aus dem Schweizerdeutschen ähneln dem vorarlbergarischen Dialekt aus Österreich. Dennoch gibt es einige Sprichwort und Phrasen, mit denen zum Beispiel ein Auswanderer anfangs zu kämpfen hat.

die wichtigsten Schweizerdeutschen Sprichwörter
Die wichtigsten Schweizerdeutschen Sprichwörter

Dies kann beispielsweise sein:

„A sitzande Saager isch eaba so viel wert wia en liggunde Schiisser.“

Dies bedeutet, dass man sich schon selbst anstrengen muss, aufstehen und sich bemühen muss, wenn bestimmte Arbeiten sachgemäß verrichtet werden sollen. Die korrekte deutsche Schreibweise wäre:

„Ein sitzender Säger ist eben so viel wert, wie ein liegender Scheißer.“

Oftmals erwähnt man diese Phrase gegenüber einem bekanntlich nicht so fleißigen Menschen, der über etwaige Unzufriedenheit klagt, weil etwas nicht nach seinen Vorstellungen verläuft. Oder:

„Chasch nöd s zeanahe unds Weggli ha.“

„Du kannst nicht zehn Rappen und zugleich die Brötchen haben.“

Dieses Sprichwort kommt zur Sprache, wenn man jemanden klarmachen will, dass er sich entweder für das Eine oder für das Andere entscheiden muss. Leichte Abweichungen in der Ausdrucksweise können in unterschiedlichen Gebieten entstehen, so kennt man das Sprichwort auch unter „Me ka nid dr Batze und s Weggli ha.“ (Basel), als „Khasch nit z’Füferli und z Weggli ha.“ (Graubünden) oder „Chasch ned de Batze ond s Weggli ha.“ (aus der Innerschweiz).

"Chasch nöd s zeanahe unds Weggli ha"
„Chasch nöd s zeanahe unds Weggli ha“

„Froge darfsch, wennd d’Antwort nid schüchs.“

Ähnlich wie im Österreichischen oder Deutschen bedeutet dies, dass man als Fragender auch mit Antworten zurechtkommen muss, die man sich nicht erwartet oder erhofft hat, und die möglicherweise zur eigenen Unzufriedenheit führen. „Fragen darfst du, wenn du die Antwort nicht scheust„. Man soll also nicht überrascht sein, wenn eine Antwort auf eine Frage nicht das persönliche Optimum darstellt.

 

„S’het, solang s’het.“

… bezeichnet die oft bei Angeboten ersichtliche Angabe „Solange der Vorrat reicht.“ Sprich, von einem bestimmten Produkt wird nach Ausverkauf nichts mehr nachbestellt. Gewissermaßen wird damit auch eine Form der Gleichgültigkeit kommuniziert: Wenn Person A unbedingt etwas bestimmtes haben möchte, und Person B entweder nur mäßig begeistert oder gar genervt davon ist, kontert B oftmals mit dieser Aussage.

„Em Tüüfel es Ohr abgloge.“

So spricht man von einer Person, die pausenlos lügt, oder eine immens große Lüge verbreitet hat. „Er hat dem Teufel das Ohr abgelegen“ trifft vor allem auf Personen zu, die durch betrügerischen Hintergrund und böse Absichten versuchen, sich persönlich einen Vorteil aus der Lüge zu verschaffen.

„S’git nüt wo’s nit git.“

Auch dieses Sprichwort kennen wir aus dem Deutschen/Österreichischen: „Es gibt nichts, was es nicht gibt“ bedeutet soviel wie „Nichts ist unmöglich“, alles funktioniert auf irgendeine Art und Weise. Die eingeschränkten Denkweisen mancher Leute sollen damit überwunden und ausgeweitet werden, dann sind Dinge zu schaffen, an die man vorher nicht zu glauben vermochte.

„Hop de Bäse!“

Soll jemanden zur Eile Bewegen. Die Bedeutung liegt im Ausdruck „Beeil dich!„, wenn jemand Zeit schindet, dringende Erledigungen anstehen oder vielleicht jemand Hilfe braucht. Abwertend wurde es auch schon für Hausfrauen gebraucht, die im Haushalt nachhängen.

"Hop de Bäse!"
„Hop de Bäse!“

„Bis de geit no hüffu Wasser de Rottu emab.“

Das Sprichwort „Bis dahin fließt noch viel Wasser in die Rhone“ bedeutet, dass noch eine Menge Zeit vergehen wird, bis etwas bestimmtes passiert. Die Rhone ist ein Fluss von 812km Länge, der teils durch die Schweiz und teils durch Frankreich verläuft. Im Bezirk Goms, angehörig dem Schweizer Kanton Wallis, wird die Rhone jedoch Rotte genannt. In unterschiedlichen Gebieten gibt es von diesem Sprichwort einige Abweichungen:

In Basel: „Bis denn fliest no vill Wasser de Rhy derab.

„Bis dahin fließt noch viel Wasser die Rhone hinab.“

In Zürich:“Da gaht no vill Wasser d’Limmät abè.

„Da geht noch viel Wasser die Limmat hinunter.“ (Die Limmat ist ein weiterer
Fluss in der Schweiz)

Aus Deutschland kennt man den Ausdruck unter Zuhilfenahme des Rhein-Flusses.

 

„Dä dümmschdi Buur hät die gröschdä Härdöpfel!“

Der dümmste Bauer hat die größten Erdäpfel“ sagt so viel aus wie „Man muss nicht über die ganze Welt bescheid wissen, um eine Sache gut zu machen. Fachwissen über genau das Gebiet, mit dem man konfrontiert ist, reicht vollkommen aus und verspricht mehr Erfolg, als über alles nur ein bisschen was zu wissen.

"Dä dümmschdi Buur hät die gröschdä Härdöpfel!"
„Dä dümmschdi Buur hät die gröschdä Härdöpfel!“

„Däm chalberet no dr Schiitstock.“

… bezeichnet einen ganz besonderen Glückspilz. Es bedeutet, dass eine gewisse Person so viel Glück hat, dass „nicht nur die Kühe, sondern sogar der Holzhackklotz Kälber wirft.“ Es geht also um eine Person die von übermäßig viel Glück überschüttet ist, scheinbar mehr, als alle Mitmenschen die ihn umgeben. Oftmals wird von Neidern schlecht über eine solche Person geredet.

„Das macht der Braate emu nid feiss.“

… meint nicht wörtlich, dass ein Braten nicht fett wird, sondern beschreibt ein Vorgehen, dass keinen oder kaum einen Unterschied macht. Eigentlich meint es also „Das macht nicht viel aus.“ Ob eine Arbeit auf diese, oder eine andere Art und Weise erledigt wird ist somit egal, da beide Möglichkeiten auf nahezu das selbe Ergebnis kommen.

Sprichwörter als Königsdisziplin der Sprache

Wenn du die meisten dieser Sprichwörter schon deuten konntest, bist du echt auf einem guten Weg. Sprichwörter einer Sprache zu verstehen, ist eine hohe Kunst, da es oftmals nicht reicht, nur den Satz zu verstehen, sondern vielmals auch noch Background Wissen notwendig ist, um die Bedeutung zu verstehen.

Bereits in unserem ersten Artikel: „Die beliebtesten Sprichwörter der Schweiz“ gingen wir intensiv darauf ein. Wenn du noch mehr Hintergrundwissen über die Schweiz kriegen möchtest, legen wir dir unser Buch „Schweizerdeutsch in 30 Tagen“ schwer ans Herz, denn dort gehen wir auf viele Teilbereiche des Landes ein und lernen anhand derer Schweizerdeutsch.

Schweizerdeutsche Sprichwörter erklärt

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