Schweizerdeutsch ist keine kodifizierte Sprache und wird auch nicht normativ gelehrt. Das heisst, dass die Regeln nirgends verbindlich festgeschrieben sind. Obwohl es deskriptive, also beschreibende Werke über die Schweizer Dialekte gibt, existiert keine Version, die als Standard gelehrt wird.

Das erklärt, warum zum Beispiel keine einheitliche Rechtschreibung existiert. Trotzdem gibt es ein paar Sprachregeln, an die man sich halten kann, und die einem das Lernen von Schweizerdeutsch enorm vereinfachen.

 

Ist schweizerdeutsche Rechtschreibung wirklich Anarchie? 😄

Bezüglich der Rechtschreibung existieren allerdings wahrlich keine verbindlichen Regeln. Hier schreibt jeder wie er will. Und es gibt kein Richtig oder Falsch. Fluch oder Segen? Wir sagen Segen. So kann man etwa „xeh“ und „gseh“ schreiben (für gesehen), ohne dass eine Version falsch wäre. Auch die Verwendung von «äi» anstelle vom Hochdeutschen «ei» handhabt jeder, wie er will. Einige schreiben «zwäi» für zwei, andere «zwei». Verstehen tun wir uns trotzdem.

 

Schweizerdeutsch hat nur 2 Zeitformen: Perfekt und Gegenwart

Im Schweizerdeutschen existieren lediglich zwei Zeitformen: die Vorvergangenheit (Perfekt) und die Gegenwart (Präsens). Es existiert keine einfache Vergangenheit (Präteritum).

Hochdeutsch Präteritum Schweizerdeutsch Perfekt
Ich ging nach Hause Ich bi hei gange
Ich war krank Ich bi chrank gsi
Wir fuhren dem See entlang Mir sind am See entlang gfahre

Auch das Futur kennen wir nicht. Für alles was in der Zukunft liegt, verwenden wir die Gegenwart. Trotzdem ist allen klar, dass es sich hier um eine zukünftige Aktivität handelt.

Hochdeutsch Futur Schweizerdeutsch Präsens
Ich werde in Urlaub fahren Ich gang id Ferie
Sie wird nicht teilnehmen können Sie cha nöd teilneh
Wir werden ohne dich fahren Mir fahred ohni dich

 

Schweizerdeutsch Grammatik Regeln, die das Leben erleichtern

Es gibt zwar keine offizielle Grammatik für Schweizerdeutsch, aber es existieren ein paar Regeln, an die du dich halten kannst und die dir das Lernen von Schweizerdeutsch ein bisschen erleichtern. Allerdings gibt es zu jeder Regel auch wieder Ausnahmen. Sonst wäre es ja zu einfach. Hier sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Hoch- und Schweizerdeutsch:

„ge“ wird zu „g“

Partizipien die im Hochdeutschen mit «ge» anfangen, werden im Schweizerdeutsch zu einem einfachen «g».

Hochdeutsch «ge» Schweizerdeutsch «g»
gefahren gfahre
gesungen gsunge
gewaschen gwäsche
gefaltet gfalted

Aber:

Hochdeutsch «ge» Schweizerdeutsch «g»
getrocknet tröchnet
getrunken trunke

„eu“ und „äu“ werden zu „ü“

Tönt gut oder? Wenn da nicht die Ausnahmen wären.

Hochdeutsch «eu» und «äu» Schweizerdeutsch «ü»
Schleuse Schlüse
Euter Üter
heute hüt
Mäuler Mühler

Aber:

Hochdeutsch «eu» und «äu» Schweizerdeutsch «ü»
Bäume Bäum
Träumen Träume
Räuber Räuber

„au“ wird zu „u“

In der Regel wird aus einem „au“ ein simples „u“. Ob du das Wort nun mit einem oder zwei u schreibst, ist Geschmacksache.

Hochdeutsch «au» Schweizerdeutsch «u»
laut lut
faul ful
rau ruch
Faust Fust
Ausgang Usgang
Auftritt Uftritt

Aber:

Hochdeutsch «au» Schweizerdeutsch «u»
laufen laufe
Baum Baum
Braue Braue
Lauge Lauge
Hat das Schweizerdeutsch weltberühmt gemacht: das Chuchichäschtli
Hat das Schweizerdeutsch weltberühmt gemacht: das Chuchichäschtli

„k“ wird zu einem „ch“

Und darauf hast du schon gewartet, richtig? Das bekannte «ch», das Schweizerdeutsch weltweit so einzigartig macht.

Hochdeutsch «k» Schweizerdeutsch «ch»
Kanne Channe
Koch Choch
Kralle Chralle
Kind Chind
kaufen chaufe
kommen cho

Aber:

Hochdeutsch «k» Schweizerdeutsch «ch»
Kostüm Kostüm
Katapult Katapult
Kino Kino

„st“ wird zu „scht“

Auch sehr oft zu hören im Schweizerdeutsch ist „scht“.

Hochdeutsch «st» Schweizerdeutsch «scht»
fast fascht
ist isch
ernst ernscht
Mast Mascht
Last Lascht
Frist Frischt

Aber:

Hochdeutsch «st» Schweizerdeutsch «scht»
Er frisst Er frisst
mysteriös mysteriös

Dinge, die selbst ein Schweizer nicht erklären kann

Es gibt auch Tatsachen, die selbst uns Schweizern spanisch vorkommen. Das Wort Staubsauger ist ein schönes Beispiel. Wann spricht man das «au» als «au» aus? Und wann als «uu»? Diese Regel kann wohl niemand erklären. Aber doch ist allen klar, dass man «Staubsuuger» und nicht «Stuubsauger» sagt.

So lauten die Präpositionen

Natürlich sind auch die Präpositionen im Schweizerdeutsch anders als im Hochdeutschen. Hier eine Übersicht.

Hochdeutsch Schweizerdeutsch Beispiel
an a A dem Tag
bei bi Bi mir dihei isch äs schön
in i Ich wohne i de Schwiz
seit sit Ich bin sit äm elfi da
auf / nach uf Ich gang uf Amerika
aus us Ich chume us Zug
von vo Ich bi vo Luzern
zu / in z Ich wohne z Züri

Jetzt hast du die Basis, baue darauf auf!

Mit den genannten Sprachregeln bist du schon einen grossen Schritt weiter gekommen. Wenn du noch mehr Schweizerdeutsch lernen willst, dann bestelle dir noch heute eines unserer beiden Bücher und werde ein echter Profi! Oder melde dich für unseren Online-Kurs an.

 

Unser Bestseller-Buch, nur für dich:
Schweizerdeutsch für Anfänger

Schweizerdeutsch in 30 Tagen - das Buch Buch auf Amazon ansehen »
Schweizerdeutsche Grammatik einfach erklärt — ENDLICH! 😄

Schweizerdeutsch & Schweiz Kommentare

  • 9. April 2019 um 18:11
    Permalink

    Hmm, kann mann auch luege als Perfekt verwenden , oder benutzen Schweizer lieber den Wort gseh?

    Antworten
    • 12. April 2019 um 17:10
      Permalink

      Hi. Ja, man kann auch luege als Perfekt verwenden. Das perfekt von luege ist: gluegt. Hoffentlich hilft dir das weiter

      Antworten
  • 16. April 2019 um 19:01
    Permalink

    Manchmal kommen Sätze mit „isch gsii“ und manchmal nur „gsii“. Zum Beispiel:
    1) Wie isch jetz das gsii mit dinere Fründin?
    2) Hey Mann, ich bi im Fall so verchältet gsii

    Was genau ist hier der Unterschied?

    Antworten
    • 19. April 2019 um 22:08
      Permalink

      Gsii alleine kann nicht verwendet werden, es braucht dazu immer das Verb. In deinem Beispiel 1) ist das Verb „isch“. Im Beispiel 2) ist das Verb „bi“

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.