Unter den Begriff des Schweizerdeutschen werden sämtliche alemannischen Dialekte gefasst, die man in der Deutschweiz spricht. Das Schweizerdeutsch wird damit vom Schweizer Hochdeutsch oder auch Hochdeutsch sowie Schriftdeutsch abgegrenzt. Darunter versteht man die schweizerische Variante des Standarddeutschen, nicht jedoch Dialekte. Wenn du jedem Wort ein verniedlichendes li anhängst, beherrschst du leider noch kein Schweizerdeutsch. Doch keine Angst, dieser Artikel wird dir einige nützliche Tipps geben, damit du schon bald überzeugendes Schweizerdeutsch sprichst. 
In der Schweiz gibt es rund 5 Millionen Sprecher des Schweizerdeutschen. Die Abtrennung der zugehörigen Dialekte gestaltet sich schwierig, gibt es doch auch in Deutschland, Frankreich oder Liechtenstein Mundarten, die grosse Ähnlichkeiten aufweisen, weshalb die Sprachgrenzen fliessend sind. Ein greifbarer Unterschied ist jedoch die Tatsache, dass die alemannischen Dialekte der Schweiz im Alltag vorwiegend verwendet werden, während in den übrigen Gebieten das Standarddeutsch den Vorzug erhält.

Verschiedene Schweizer Dialekte
Viele verschiedene Dialekte zeichnen die Schweiz aus, Quelle: pexels.com

Die Dialekte des Schweizerdeutschen

Niederalemannisch

Dieser Dialekt zeichnet sich durch ein anlautendes k [IPA-Zeichen: kʰ] aus, entspricht in diesem Aspekt dem Standarddeutschen und grenzt sich gleichzeitig vom Hochalemannischen ab. Er ist in und um Basel, aber auch im Süden Baden-Württembergs oder dem Elsass verbreitet.

Hochalemannisch

Auch dieser Dialekt ist neben der Schweiz im Elsass sowie dem äussersten Südwesten Baden-Württembergs (südlich von Freiburg) verbreitet. Das Hochalemannische zeichnet sich eine Verschiebung des anlautenden k [IPA-Zeichen: kʰ] zu einem ch ​[⁠x⁠]​ oder ​[⁠χ] aus, sodass man Begriffe wie König somit als Chönig oder Kopf als Chopfausspricht.

Höchstalemannisch

Die Mundarten, die zum Höchstalemannisch gezählt werden, findet man beispielsweise im Wallis, dem Piemont, Graubünden oder dem Tessin vor. Ein Charakteristikum dieser Dialekte ist ihr Konservativismus: Der mittelhochdeutsche Vokalismus wird auch dann beibehalten, wenn hochalemannische Dialekte eine Diphtongierung vornehmen. So findet man darin Formen wie schnyyä statt schneie vor.

Die Mundart von Samnaun

Die Gemeinde Samnaun im Nordosten des Kantons Graubünden verfügt über eine eigene Mundart, die keiner der zuvor genannten Dialektgruppen zugeordnet werden kann. Stattdessen ordnet man diesen Dialekt dem Tirolerischen und damit den bairischen Dialekten unter.

Samnaun in Graubünden hat eigenen Mundartdialekt
Samnaun in Graubünden hat eigenen Mundartdialekt, Quelle: unsplash.com

Weitere Unterschiede

Neben diesen kategorisierbaren Unterschieden variieren die einzelnen Dialekte der Schweiz noch in vielen weiteren Aspekten. Die Topografie der Schweiz mit ihren Gebirgszügen, Flüssen oder auch Seen führte historisch zu einer starken Isolation einzelner Gebiete und erschwerte die Mobilität. So ist es wenig verwunderlich, dass beinahe alle Region bzw. sogar einzelne Gemeinden über eigene Mundarten verfügen, die bisweilen selbst für Deutschschweizer unverständlich sind. Gleichzeitig ist es so möglich, einen Deutschweizer anhand seines Dialekts einer bestimmten Herkunft zuzuordnen, die in manchen Fällen gar exakt auf den genauen Ort getroffen werden kann. 
Eine weitere Methode der Einteilung ist die Ordnung nach Kantonen. So gibt es beispielsweise Baseldeutsch, Berndeutsch, Freiburgdeutsch, Luzerndeutsch oder Zürichdeutsch: geschlossene Aussprache des Primärumlauts: fel[l]e ‚fällen‘ sowie lediglich eine Form des Verbplurals: mir/ir/si mached (wir/ihr/sie machen/macht. Wirklich zutreffend sind diese Kategorien jedoch nicht, respektieren die tatsächlichen Mundarten die Grenzen der Kantone doch kaum. Vielmehr können bestimmte Dialekte mit denen anderer Kantone fast identisch sein, während sie mit jenen ihres eigenen Kantons fast keine Gemeinsamkeiten haben.

Die geografischen Einteilungen des Schweizerdeutschen

Eine grobe regionale Einteilung des Schweizerdeutschen wird nach den vier Himmelsrichtungen vorgenommen:

  • nördliches Schweizerdeutsch: durchgängige Hiatdiphthongierung: Iis ‚Eis‘
  • östliches Schweizerdeutsch: im Plural gibt es nur eine Verbform, der Primärumlaut wird stets geschlossen ausgesprochen
  • südliches Schweizerdeutsch: (keine Hiatdiphthongierung: Iis ‚Eis‘, im Unterschied zum nördlichen Schweizerdeutsch aber schniie ’schneien‘ statt schneie
  • westliches Schweizerdeutsch: leicht geöffnete Aussprache des ersten Umlauts, also fèlle oder fèue für ‚fällen‘

Natürlich ist auch diese noch gröbere Kategorisierung in vielen Fällen nicht anwendbar. 
Seit dem 20. Jahrhundert hat zumindest eine gewisse Angleichung der Dialekte stattgefunden, die durch die verbesserte Mobilität der Schweizer Bevölkerung ermöglicht wurde. Auch in den grössten Städten Zürich, Basel und Bern verschwimmen die Unterschiede zwischen den einzelnen Mundarten mehr und mehr.

Die charakteristischen Merkmale des Schweizerdeutschen

Der Vokalismus

Die beiden Phänomen der Monophthongierung, also die lautliche Veränderung eines Diphtongs zu einem Monophtong bzw. der umgekehrte Prozess (die Diphtongierung) findet man im Schweizerdeutschen grundsätzlich nicht vor.

Der Konsonantismus

Die zuvor erwähnt Lautverschiebung im Anlaut zeichnet lediglich die hochalemannischen Dialekte aus. In diesen Mundarten wird ein /k/ im Silbenanlaut zu einem [x] wie Chönig statt König oder Charotte statt Karotte.

Die Grammatik

Gemeinsamkeiten des Hochdeutschen bzw. Standarddeutschen mit dem Schweizerdeutschen bestehen in der Deklination von Genus, Numerus und Kasus sowie der Verwendung der drei Genera Maskulinum, Femininum und Neutrum. Auch die Einteilung in Singular und Plural kennt das Schweizerdeutsche. 
Während Nominativ, Dativ und Akkusativ weitestgehend dem Standarddeutschen entsprechend verwendet werden, gilt der Einsatz des Genitivs in vielen Fällen als veraltet. Die Ausnahme bilden einige idiomatische Formeln, ansonsten werden Besitzverhältnisse mit dem Partikel von angegeben. 
Im Schweizerdeutschen gibt es kein Präteritum, es wird stattdessen durch das Perfekt ausgedrückt. Auch das Futur ist eher ungewöhnlich, gebräuchlicher ist eine Umschreibung mithilfe des Begriffs de(nn). 
Die Syntax kann frei gestaltet werden und weist darüber hinaus grosse regionale Unterschiede auf.

Schweizer Grammatik lernen ist anspruchsvoll
Schweizer Grammatik lernen ist anspruchsvoll, weil Schweizerdeutsch nur eine gesprochene Sprache ist. Quelle: unsplash.com

Die schweizerdeutsche Rechtschreibung

Auf die Frage, ob es eine Rechtschreibung für das Schweizerdeutsche gibt, können wir dir nur eine Antwort geben: jein. Grundsätzlich sind zwei Tendenzen festzustellen. Zum einen kann sich die Rechtschreibung an jener der Standardsprache orientieren, zum anderen wird die Ausrichtung an der Aussprache vorgeschlagen. Eine tatsächliche, einheitliche Norm für die Rechtschreibung besteht jedoch nicht. Dazu wäre schliesslich ein allgemein anerkanntes Regelwerk vonnöten, in dem die standardmässige Sprache beschrieben wird. Zwar gibt es derartige Schriftwerke zum verschriftlichen Schweizerdeutsch, im Alltag finden sie allerdings keine Beachtung.

Die Aussprache des Schweizerdeutschen

  • Im Vergleich zum Standardeutschen liegt die Betonung deutlich häufiger auf der ersten Silbe eines Worts.
  • Ch-Laute spricht man immer rau aus, sodass die Aussprache an das standardeutsche Bach erinnert.
  • Die Laute ä und e ähneln in ihrem Klang dem standarddeutschen a.
  • Das y klingt wie ein in die Länge gezogenes i, wie beispielsweise beim Kanton Schwyz.

Der Wortschatz des Schweizerdeutschen

Viele Schweizerdeutsche Wörter stammen vom Französischen ab
Viele Schweizerdeutsche Wörter stammen vom Französischen ab, was eine kleine Hilfe ist für alle französisch sprechenden Personen. Quelle: unsplash.com

Das Schweizerdeutsch enthält zahlreiche Lehnwörter aus dem Französischen, die standarddeutsche Begriffe ersetzt haben. Beispiele sind die folgenden Bezeichnungen:

  • Trottoir für Gehsteig
  • Billet für Fahr- oder Eintrittskarte
  • Glace für Eiscreme oder Eis
  • Perron für Bahnsteig

Ausserdem gibt es einige Wörter, die im Vergleich mit dem Standarddeutschen zu Verwirrung führen können:

  • da = hier
  • springe = laufen
  • Pfanne = Kochtopf
  • Winde = Dachboden
  • luege = schauen

Damit du aus diesem Artikel auch Wissen mitnimmst, dass du gleich im Alltag anwenden kannst, haben wir dir abschliessend noch eine Liste aus nützlichen und lustigen Ausdrücken zusammengestellt. Mit ihnen wirst du zu einem waschechten Eidgenossen oder unterhältst zumindest deine Freunde.

  • Güselchübel = Abfalleimer
  • Sibäsiech = Alleskönner
  • Schläufli = Schal
  • Mugerli = mollige Person
  • Webstübler = Spinner
  • Tschuderheuel = zerzauste Frisur
  • Kolleg Essig = nervige Person
  • Flättärä = Ohrfeige

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