Seit vielen Hundert Jahren gehört das Jodeln, die typisch schweizerische Gesangskunst, genauso zur Eidgenossenschaft wie der Käse und die Schokolade. Was steckt hinter dieser alten Tradition aus den Schweizer Bergen? Und kannst du beim Jodellieder hören Schweizerdeutsch lernen?

Ein Jodler – was ist das?

Das Wort Jodler bezeichnet sowohl das Jodellied, wie auch den Sänger, der dieses Jodel-Lied interpretiert. Typisch beim Jodeln ist der oft schnelle Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme, das heisst zwischen tiefen und hohen Tönen. Das eigentliche Jodeln ist ein Gesang ohne verständlichen Text. Es klingt oft nach „Chuderwäusch“, also nach einer Sprache, die keiner so richtig versteht. Viele Schweizer Jodler beinhalten aber durchaus auch Text auf „Schwiizerdütsch“, die Strophe wird dann gesungen und der Refrain gejodelt. 

Wer zum Kuckuck kam auf die Idee zu jodeln?

Schweizer Tal
Schweizer Tal

Der Schweizer Jodler ist älter als die Schweiz selbst. Bereits vor mehreren Tausend Jahren ist das Jodeln entstanden. Mit Hilfe von Jodel-Rufen konnten sich die Alpenbewohner über Täler hinweg verständigen. Gejodelt wurde also nicht in erster Linie zum Vergnügen. Es handelte sich vielmehr um eine über-lebenswichtige Kommunikationsform. Gejodelt wurde auch, um die auf den weitläufigen Alpwiesen verteilten Kühe herbeizurufen. Mit den Jahren entwickelte sich so aus einer alltäglichen Notwendigkeit eine Gesangskunst, die wir bis heute in Form von Jodelliedern hören können. Oft werden Schweizer Jodler von einem Alphorn begleitet. Das ebenfalls typisch schweizerische Musikinstrument aus Holz hat eine Länge von bis zu vier Metern und existiert bereits seit 500 Jahren. Über die Jahrhunderte haben sich das Alphorn und das Jodeln zu einer nicht mehr wegzudenkenden Schweizer Tradition entwickelt.

Jodeln – eine Schweizer Erfindung?

Jodeln ist der eigentliche Schweizer Nationalgesang und bereits seit Jahrhunderten kann man hier Jodellieder hören. Einen Schweizer Jodler nennt man auf Mundart oft auch einfach „Jutz“. Gejodelt wird aber nicht nur in der

Schweizer Jodelverein
Schweizer Jodelverein

Schweiz. Auch unsere deutschen und österreichischen Nachbarn jodeln. Das Jodeln klingt jedoch keineswegs überall gleich. Jedes Land, ja sogar jede Region, hat seine eigene Art zu jodeln. Ein geübtes Ohr kann Jodler aus dem Berner Oberland von Jodlern aus dem Appenzell unterscheiden. Die Kunst des Jodelns existiert aber nicht nur im Alpenraum. Auf der ganzen Welt waren Jodelgesänge als Kommunikationsform verbreitet. So wurde früher beispielsweise auch in Spanien und Schweden sowie in China und Thailand gejodelt. Nirgends hat sich aber das Jodeln zu einer so grossen Tradition entwickelt wie in der Schweiz. Im ganzen Land gibt es viele oft regional bekannte Schweizer Jodler und Jodel-Chöre. Jodeln ist bis heute ein beliebtes Hobby vieler Schweizer und alle drei Jahre findet das eidgenössische Jodlerfest mit mehreren Tausend Teilnehmern statt. Jodel-Vereine aus der ganzen Schweiz präsentieren dort ihr Können und werden von einer Fachjury bewertet.

Jodelt jeder Schweizer?

Das Jodeln ist zwar in der Schweiz eine fest verankerte Tradition, dennoch kann nicht jeder Schweizer jodeln. Etwa 22’000 professionelle Jodler gibt es in der Schweiz. Schnell könnte der Eindruck entstehen, jodeln sei ganz einfach, schnell zu erlernen und keine grosse Kunst. Tatsächlich aber handelt es sich beim Jodeln um einen eigenen Gesangsstil, der mit viel Geduld erlernt werden muss. Mit gezielter Atemtechnik und spezifischen Stimmübungen, am besten unter fachmännischer Anleitung, kannst auch du das Jodeln erlernen. 

Peter Hinnen – Der Star unter den Schweizer Jodlern

Peter Hinnen
Peter Hinnen

Einer der berühmtesten Schweizer Jodler kommt nicht etwa aus den Bergen, sondern aus der Stadt Zürich. Peter Hinnen, heute 75-jährig, hat seine Karriere bereits als junger „Buäb“ gestartet. Als „Peterli“ wurde er schnell zur lokalen Berühmtheit und konnte schon als Jugendlicher seinen ersten Plattenvertrag unterschreiben. Obwohl er sich in den 80er-Jahren langsam aus dem Showbusiness zurückzog, zeigte er es 1992 noch einmal der ganzen Welt: Der Schweizer Jodler sang innerhalb von einer Sekunde 22 verschiedene Jodeltöne. Das brachte ihm einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Auch heute noch tritt Peter Hinnen ab und zu auf. 

Hier gibt es die CD mit 20 goldenen Erfolgen von Peter Hinnen auf Amazon: HIER 
Das muss man eindeutig mal gehört haben.

Beim Jodellieder hören Schweizerdeutsch lernen?

Schweizer Jodler werden in Mundart gesungen und handeln meist von der Liebe zur Heimat und zur Natur oder von geselligem Beisammensein. Da Jodellieder in gemächlichem Tempo gesungen werden, eignen sie sich bestens zum Erlernen neuer Wörter auf „Schwiizerdütsch“. Diese alte Schweizer Tradition bietet also nebst dem Hörgenuss auch die Möglichkeit, nebenbei Schweizerdeutsch zu lernen.

Wie viel verstehst du schon?

Teste dich selbst! Wie viel verstehst du von diesem Textausschnitt aus dem Schweizer Jodler „D’Jodler“ von Max Huggler?

„Gmüetlich sitze
mir do zäme, 
bim ä Glesli guetem Wy, 
fröhlich söll ä Jutz erklinge, 
und au s’Alphorn isch derby, 
fröhlich söll ä Jutz erklinge, 
und au s’Alphorn isch derby.“

Wie du siehst, kannst du tatsächlich beim Jodellieder hören Schweizerdeutsch lernen. 

Hier gibt es einen Artikel mit vielen weiteren Tipps, um spielerisch Schweizerdeutsch zu lernen.

Noch schneller und umfassender als mit einem Schweizer Jodler, lernst du bei uns auf Schweizerdeutsch-lernen.ch. Schreibe dich jetzt zum Kurs ein und starte noch heute mit deinem Schweizerdeutsch-Studium. Schon bald wirst du alle Schweizer Jodler mühelos verstehen.

Ho-la-re-di-hi – Jodeln auf „Schwiizerdütsch“

Ein Gedanke zu „Ho-la-re-di-hi – Jodeln auf „Schwiizerdütsch“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.