Die Schweiz ist mag ein kleines Land sein, aber ihre Bewohner waren in kriegerischen Konflikten schon immer sehr wehrhaft. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus bescheinigt den Helvetiern ein sehr kriegerisches Volk zu sein. Die Eidgenossen stellten dies besonders im 14. Jahrhundert unter Beweis: In den Schlachten am Moorgarten (15. November 1315) und bei Sempach (9. Juli 1386) schlugen sie weit ĂŒberlegene Habsburger Truppen vernichtend. Das Geheimnis der Eidgenossen: sie kĂ€mpften zu Fuss, waren nur mit leichten RĂŒstungen ausgestattet, damit enorm beweglich, und sie verfĂŒgten ĂŒber hervorragendes taktisches Geschick. Zudem erfanden die Schweizer eine sehr effektive und tödliche Waffe: die Hellebarde, eine Mischung aus Axt und Lanze.

Die pÀpstliche Schweizer Garde
Die pÀpstliche Schweizer Garde

Der Ruf eilt voraus

Die Truppen der heutigen Schweiz bekamen schnell den Ruf unbesiegbar zu sein. Dabei verfĂŒgte der Eidgenössische Bund nicht einmal ĂŒber ein regulĂ€res Heer: Es waren Bauern, Handwerker, Patrizier und Adlige, die sich zusammenfanden, um sich gegen fremde Eindringlinge zu wehren. Entsprechend beliebt waren bei auslĂ€ndischen Feldherren die Schweizer Söldner. Im Zeitraum vom 14. bis zum 17. Jahrhundert war es fĂŒr jeden Feldherrn kriegsentscheidend, ĂŒber eidgenössische Söldner zu verfĂŒgen. So kĂ€mpften Schweizer auf den Schlachtfeldern in ganz Europa auch gegeneinander. In dieser Ära entstand eine militĂ€rische Einheit, die noch bis heute existiert und weltberĂŒhmt ist: Die Schweizer Garde des Papstes in Rom.

Die Geschichte der Schweizer Garde 

1505 fragte Papst Julius II. beim Eidgenössischen Bund nach Söldnern zum Schutz des Vatikans. 1506 wurde daraufhin die PĂ€pstliche Schweizergarde in Dienst gestellt. 1527 fand die erste und bis dato schwerste BewĂ€hrungsprobe auf die Schweizer Garde statt: am Morgen des 6. Mais stĂŒrmten spanische Söldner sowie Frundsbergs Landsknechte Rom, plĂŒnderten die Stadt und massakrierten innerhalb von acht Tagen etwa 12.000 Menschen. Der Vatikan blieb dabei nicht verschont. Dennoch gelang es der Schweizer Garde Papst Clemens VII. in Sicherheit zu bringen. Allerdings bezahlte die Schweizer Garde einen sehr hohen Blutzoll: Von 189 Mann ĂŒberlebten lediglich 42. Als Papst Clemens VII. kapitulierte, wurde die PĂ€pstliche Schweizergarde aufgelöst und deutsche Landsknechte ĂŒbernahmen den Schutz des Papstes.

1537 entliess Papst Paul III. die deutsche Schutzgarde und beorderte erneute die Schweizergarde zu seinem Schutz. Am 16. Februar 1798 kam das nĂ€chste Aus fĂŒr die PĂ€pstliche Schweizergarde: französische Truppen besetzten den Vatikan, die Schweizer Garde wurde entwaffnet und erneut entlassen. Papst Pius VI. musste Rom verlassen.

Der Papst im Vatikan wird von der Schweizer Garde bewacht

1800 stellte Papst Pius VII. die PÀpstliche Schweizergarde erneut in Dienst. 1870 besetzten die StreitkrÀfte Italiens den Vatikan. Der Heilige Stuhl verlor jegliche staatliche SouverÀnitÀt und Papst Pius IX. musste alle StreitkrÀfte entlassen. Die einzige Truppe die erhalten blieb, war die PÀpstliche Schweizergarde. Deren Aufgaben wurden jedoch auf Ordnungs- und Sicherheitsaufgaben beschrÀnkt.

1929 erhielt der Vatikan als Vatikanstadt seine SouverĂ€nitĂ€t wieder und die Schweiz stufte die PĂ€pstliche Schweizergarde als polizeiliche Organisation ein. Dies insoweit wichtig, da Schweizer seit 1848 keinen Dienst in auslĂ€ndischen MilitĂ€rorganisationen leisten dĂŒrfen.

Die PĂ€pstliche Schweizergarde heute

Obwohl die Schweizer Garde als Regiment eingestuft ist, verfĂŒgt sie nur ĂŒber die StĂ€rke von 110 Mann. Organisiert ist sie in drei Geschwader zu je drei Gruppen. GefĂŒhrt wird die PĂ€pstliche Schweizergarde von einem Kommandanten (Oberst) und einem Vize-Kommandanten im Rang eines Oberstleutnants. Die Aufgaben der Truppe sind:

  • Schutz des Papstes
  • Bewachung der EingĂ€nge zur Vatikanstadt
  • Schutz des Kardinalskollegiums wĂ€hrend der Sedisvakanz
  • Ordnungs- und Ehrendienste

Die Ausbildung in der Schweizer Garde

Die Ausbildung dauert fĂŒnf Wochen. Schwerpunkte sind das Exerzieren, Selbstverteidigung und das Erlernen der italienischen Sprache. Abgeschlossen wird die Ausbildung durch die Vereidigung der Rekruten, die jĂ€hrlich am 6. Mai stattfindet. Doch nicht wird so leicht Mitglied der Schweizer Garde.

Eintritt in die PĂ€pstliche Schweizergarde

Die Schweizer Garde ist sehr traditionsbewusst und lebt nach einem strengen Reglement. Dementsprechend hoch sind auch die Anforderungen an die Bewerber. In die PĂ€pstliche Schweizergarde eintreten können generell nur mĂ€nnliche Schweizer im Alter von 19 bis 30 Jahren, die bereits die Rekrutenschule der Schweizer Armee absolviert haben und folgende Kriterien erfĂŒllen:

  • Matura oder abgeschlossene Berufsausbildung
  • praktizierender Katholik
  • einwandfreier Leumund
  • sportlich sehr fit
  • keinerlei gesundheitliche EinschrĂ€nkungen
  • ledig

Die Mindestverpflichtungszeit betrÀgt zudem 25 Monate.

Die Schweizer Garde bewacht den Papst seit Jahrhunderten

Die AusrĂŒstung der Schweizer Garde

Die AusrĂŒstung der Einheit stellen Schwert, Rapier, Parierstange, Flamberge und die Hellebarde dar. Die PĂ€pstliche Schweizergarde verfĂŒgt auch ĂŒber moderne Waffen, ĂŒber die sie allerdings keine Auskunft erteilt. Jedoch ist folgender Waffenbestand bekannt:

  • SIG Sturmgewehr 90 und Pistole 75
  • HK Maschinenpistolen 5 und 7
  • Pfefferspray RSG 2000

Dies zeigt, dass da doch einiges mehr dahinter steckt, als nur ein wenig RitterrĂŒstung.

Die Uniformen der Schweizer Garde

Die Einheit verfĂŒgt ĂŒber zwei verschiedene Uniformen: die komplett in Blau gehaltene Exerzieruniform, mit weißem Kragen und Manschetten. Diese Kleidung wird bei der Ausbildung und im Nachtdienst getragen. Die zweite Uniform ist die Galauniform, die in den Farben Blau, Rot und Gelb gehalten ist. Die Kopfbedeckung ist eine BaskenmĂŒtze, an der auch der Dienstgrad erkennbar ist. Zu Weihnachten, Ostern und bei der Vereidigung werden zur Galauniform zusĂ€tzlich weisse Handschuhe, Helm und Harnisch getragen.

Vokabular-Liste

Schweizerdeutsch Hochdeutsch
RĂŒschtig RĂŒstung
Buure Bauern
Ihdringling Eindringlinge
entlah entlassen
D Ufgabe Die Aufgaben
kei Uskunft keine Auskunft
wissi HandschÀ weisse Handschuhe
d BewÀrber Die Bewerber

Keine AuslÀnder in der Schweizer Garde

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Schweizer Garde: im Auftrag des Papstes

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