Die ersten Begriffe, mit denen wir konfrontiert wurden, waren amtlicher Art und begegneten uns im Antrag zur Aufenthaltserlaubnis, im Mietvertrag oder beim Abschluss von Versicherungen. So gaben wir Selbstauskünfte über unseren Zivilstand und Bürgerort, informierten uns über Selbstbehalte bei Versicherungen oder wunderten uns über die Frage „Werden Sie betrieben?“. (Letztere fragt danach, ob man irgendwo Schulden abzuzahlen hat). Puh, das war ja schon ne ganze Menge, aber noch lange nicht alles!

Nachdem der formelle Kram erledigt war, konnten wir dann in die Schweiz zügeln,- was nicht bedeutet, dass wir mit der Bahn eingereist wären. Wir sind schlicht und einfach umgezogen.

Zu den ersten wirklich wichtigen (alltagstauglichen) Schweizer Wörtern, die wir gelernt haben, gehören Beiz und Stange. Also wer frisch gezapftes Bier (vom Fass) mag und in einer Kneipe trinken will, geht zur nächsten Beiz und bestellt eine Stange. Dies sind Ausdrücke, die man auf Anhieb zwar nicht versteht, sich jedoch – wegen regelmässiger Anwendung – gut merken kann.
Andere Begriffe und Wörter kommen einem auf den ersten Blick (d.h. beim ersten Lesen oder Hören) etwas ungewohnt vor, man versteht sie jedoch ohne weiteres, da sie einen bekannten Inhalt nur anders umschreiben oder aus einer Fremdsprache entliehen sind, die man kennt (wie Französisch oder Englisch). Dabei sollte man (in vielen Fällen) beachten, das „ch“als „k“ zu lesen bzw. auszusprechen – wenn man sich letzteres (zu)traut. (Das ist dann nämlich dieses typische Schweizer „Kehlkopfkratzen“. ;-))

 

Man bringt also sein Auto oder Töff (Motorrad) zur Reparatur in die Garage (Werkstatt), Cars (Reisebusse) parkieren (parken) auf gesonderten Plätzen und mit Velos (normalen Fahrrädern) kann man zwar schöne Touren unternehmen, aber Bikes (Mountain-Bikes) eigenen sich besser für’s Gelände. Und die Chind („K“…er) spielen auf den Matten (Wiesen).

Willkommen in der Schweiz
Willkommen in der Schweiz!

Allerhand Begriffe kann man sich also aus dem Zusammenhang, in dem sie verwendet werden, erklären. Bei anderen hat man dagegen kaum eine Chance … Vor allem auch deshalb, weil der Satzbau im Schwyzerdütschen schon mal sehr von dem Schriftdeutschen abweicht.
Es gibt allerdings auch Wörter, die ganz was anderes bedeuten, als man zunächst vermutet.
So kann man Suppe durchaus in einer Pfanne (Kochtopf) kochen und sie schmöckt (riecht) gut, obwohl man kein Löffelchen davon probiert hat.

Um beim Essen zu bleiben: Hier gibt es einige Feinheiten zu lernen und zu beachten. Im Nüsslisalat (Feldsalat) sind beispielsweise keine Nüsse, Peperoni (Paprika) können bedenkenlos in Massen gegessen werden und aus Rüebli (Möhren) backen Schweizer auch feine Kuchen. Beim Beck (Bäcker) kauft man feini Gipfeli (leckere Croissants), Mutschli oder Mütschli (Brötchen), Weggli (Milchbrötchen) oder einfach Brötli (Brötchen) und zuhause nimmt man ein Mödeli (Päckchen) Anke (Butter) aus dem Kühlschrank … Dann gibt es da noch Gschwellti (Pellkartoffeln), Rande (Rote Beete), Mischtchratzerli (Hähnchen) und zum Nachtisch vielleicht ein Glace (Eis) und, und, und … Und hat dann alles auch geschmeckt, kann man auf die Frage der Serviertochter (weibliche Bedienung): „Isch’s guat gsi?“ („Ist es gut gewesen?“ im Sinne von „Hat’s geschmeckt?“) getrost mit ja antworten.

 

Zu besonderen Gelegenheiten oder zum Apéro (Aperitif, aber auch „Umtrunk“) gönnt man sich auch schon mal ein Cüp(p)li, d. h. ein Gläschen Sekt oder Schämpis (Champus). Ist es draussen frostig, wärmt man sich mit Kafi fertig (Kaffee mit Schnaps), einem Kafi Träsch (Kaffee mit Trester) oder einer der vielen anderen Kafi-Variationen. Dieser Kafi wird in besonderen Gläsern serviert und eigentlich zu jeder sich bietenden Gelegenheit getrunken.

Bekannte Stellung in Zurich
Bekannte Stellung in Zurich ;).

Übrigens ist das gebräuchliche Flüssigkeits-Mengenmass der Dezi (Deziliter), sowohl bei Bestellungen in der Beiz als auch als Angabe in Rezepten.

„Knoppers“ wird nicht wie in Deutschland um „halb zehn Uhr“ gefuttert, sondern laut Schweizer Werbung zum Znüüni (Pause/Zwischenmahlzeit am Morgen, die meist jedoch nicht um neun ist). Weitere Essenszeiten sind de Zmorge, de Zmittag, de Zvieri und de Znacht.

Im Laufe der Jahreszeiten begegnen einem in der Schweiz immer neue, wundersame Gestalten und Traditionen. Zu Karneval sind es die Guugge (Musikgruppen, bei denen die Spieler kein Instrument beherrschen müssen, um mitmachen zu dürfen), zwischendurch übt man sich im Seilziehen (Tauziehen,- wird hier wettkampfmässig betrieben) oder es gibt ein Schwinget (eine Art Ring-Wettkampf).

Und hier in der Zentralschweiz begegnen einem dann ab Anfang Dezember (um den Nikolaustag herum) immer wieder Trinkler mit ihren Trinkeln bzw. Treicheln (grosse Kuhglocken, mit denen ein monotones, ohrenbetäubendes Geläute veranstaltet wird). Samichlaus (der Nikolaus) und Schmutzli (Knecht Ruprecht) machen sich auf den Weg und in den Bäckereien gibt es Grittibänzen (Weckmänner).

 

 

Andreas ist seit 4 Monaten Mitglied im SwissRoom auf Schweizerdeutsch-Lernen.ch

Andreas ist seit 4 Monaten Mitglied im SwissRoom. Er kam in die Schweiz, um an der ETH Zürich Mathematik zu studieren. In seiner freien Zeit liebt er es sich mit der schweizerdeutschen Sprache zu beschäftigen, Ski zu fahren und Abends in die Beiz zu gehen. Weitere Artikel von Andreas anzeigen.

 

 

 

(Auszug aus hallo-schweiz.ch)

Mein erster Tag in der Schweiz

3 Gedanken zu „Mein erster Tag in der Schweiz

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