So funktioniert die Krankenversicherung in der Schweiz

Wer die gesetzliche Krankenversicherung aus Deutschland kennt, muss sich in der Schweiz an einige Änderungen gewöhnen. Dort funktioniert die Krankenversicherung nämlich nicht automatisch über den Arbeitgeber, sondern jeder Versicherungsnehmer muss sich selbst darum kümmern.

Dennoch ist die Krankenversicherung nicht freiwillig – bis auf ein paar Ausnahmen (wie zum Beispiel Studenten, die sich nur zeitweise in der Schweiz aufhalten und im Heimatland versichert sind, oder Rentner, die ihre Rente aus einem EU- oder EFTA-Land beziehen) ist die Versicherung für jeden Pflicht. Damit es dabei keine Probleme gibt, findest du hier alle wissenswerten Informationen zur Krankenversicherung in der Schweiz.

 

Krankenversicherung in der Schweiz? Bei uns kein Problem mehr!
Krankenversicherung in der Schweiz? Bei uns kein Problem mehr!

 

Wann, wie und wo?

Für eine Krankenversicherung entscheiden musst du dich innerhalb von drei Monaten, nachdem du in die Schweiz eingereist bist. Jedoch bist du vom Tag 1 an versichert, da etwas anderes gesetzlich nicht möglich wäre. Du kannst jede der zugelassenen Krankenversicherungen wählen und diese sind verpflichtet, dich in die Grundversicherung aufzunehmen. Du kannst dir kostenlose Angebote zuschicken lassen – ein Vergleich lohnt sich.

Der Besuch beim Hausarzt
Der Besuch beim Hausarzt

Prämien, Franchise und Selbstbehalt – Unterschiede zu Deutschland

In Deutschland sind die Krankenkassenbeiträge (Prämien) vom Einkommen abhängig. Das ist in der Schweiz nicht der Fall. Die Prämien hängen stattdessen zum Beispiel vom Kanton, von deinem Alter und vom gewählten Arztmodell ab. Unter den Arztmodellen gibt es unter anderem das Hausarztmodell, bei dem du dich verpflichtest, bei Krankheit immer zuerst deinen Hausarzt aufzusuchen, der dich gegebenenfalls weiter überweist. Mit diesem Modell kannst du die Prämie für deine Krankenversicherung senken. Es stehen jedoch auch andere Modelle zur Auswahl.

Die Franchise

Die Franchise ist ein Geldbetrag, den du jährlich selbst entrichten musst, bevor deine Krankenversicherung einspringt. Dieser Betrag liegt zwischen 300 und 2.500 Schweizer Franken und du darfst ihn selbst festlegen. Wenn du das Risiko einer höheren Franchise eingehst, sinkt die Prämie, die du deiner Krankenkasse zahlst. Dies kann sich lohnen, wenn du nur selten medizinische Hilfe in Anspruch nimmst. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen übrigens keine Franchise.

Der Selbstbehalt

Der Selbstbehalt bei Medikamenten ist 20%
Der Selbstbehalt bei Medikamenten beträgt 20%

Alles, was über die Franchise hinausgeht, erstattet dir deine Krankenkasse zurück – bis auf einen Selbstbehalt, der 10% der Gesamtkosten beträgt. Diesen Selbstbehalt kannst du nicht selbst anpassen, er ist festgelegt. Die restlichen 90% übernimmt die Krankenversicherung. Ausgenommen sind einige spezifische Kosten wie zum Beispiel ein täglicher Beitrag, der bei einem Krankenhausaufenthalt fällig wird. Auch hier gibt es wieder Ausnahmen. So zahlen Kinder, Jugendliche und Frauen, die von der Beteiligung an Mutterschaftsleistungen befreit sind, diesen sogenannten Spitalbeitrag nicht.

Für Medikamente beträgt der Selbstbehalt übrigens 20%, es sei denn, es ist kein Generikum (ein gleichwertiges, günstigeres Produkt) erhältlich.

Damit dich bei kostenintensiven Behandlungen nicht der Selbstbehalt in den Ruin treibt, ist auch dieser beschränkt, und zwar auf 700 Schweizer Franken pro Jahr. Für Kinder und Jugendliche liegt die Obergrenze bereits bei 350 SFR.

Studenten profitieren von Prämienverbilligungen
Studenten profitieren von Prämienverbilligungen

Grundversicherung und Zusatzversicherung

Die Grundversicherung wird in der Schweiz auch obligatorische Krankenpflegeversicherung genannt und ist verpflichtend. Grundsätzlich übernimmt sie die Behandlungskosten bei Krankheit und deren Folgen. Es gibt jedoch auch Leistungen, die über dieses Spektrum hinausgehen. Dazu gehören zum Beispiel die meisten zahnärztlichen Behandlungen. Diese Leistungen kannst du entweder selbst bezahlen oder über eine Zusatzversicherung finanzieren.

Wie in Deutschland ist das jedoch nicht ganz einfach. Für eine Zusatzversicherung müssen ärztliche Atteste vorgelegt werden und die Versicherung kann es ablehnen, dich aufzunehmen, wenn zum Beispiel deine Zähne nicht vollständig gesund sind. Zudem sind die Beiträge hoch, weswegen sich Zusatzversicherungen am ehesten für Kinder und Jugendliche lohnen.

Wichtig: die richtige Vorbereitung

Krankheiten lassen sich bei aller Vorsorge nicht zu 100 % voraussehen. Daher empfiehlt es sich, schon frühzeitig Geld beiseite zu legen, um im Notfall die Franchise und den Selbstbehalt auch bei teureren Behandlungen bezahlen zu können. Einige Behandlungen werden zwar auch ohne Selbstbehalt und Franchise übernommen – so zum Beispiel zahlreiche Behandlungen in der Schwangerschaft und auch Unfälle, die nicht auf der Arbeit geschehen sind -, dennoch solltest du vorsorgen. Die Unfallversicherung für Unfälle in der Freizeit ist übrigens ebenfalls verpflichtend, wenn du mindestens 8 Wochenstunden beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt bist.

Die Krankenversicherung ist nur eine der vielen Vorbereitungen, um die du dich kümmern musst, wenn du in die Schweiz ziehst und hier leben möchtest. Wir raten dir zum Beispiel an sich Schweizerdeutsch für Anfänger gleich unsere Checkliste zum Umzug in die Schweiz anzuschauen oder wie sieht das mit dem Handyvertrag aus? Damit es dann auch mit der perfekten Integration klappt, ist es natürlich unumgänglich auch Schweizerdeutsch zu lernen. Dazu raten wir dir zu lesen und dann mit unserem Buch (Schweizerdeutsch in 30 Tagen) oder unserem Videokurs loszulegen.

 

 

Krankenversicherung in der Schweiz: Alles, was du wissen musst!

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