In der Schweiz gibt es 26 Kantone. 20 davon in der Deutschschweiz, die Halbkantone mit eingerechnet. Jeder Kanton hat seinen eigenen Dialekt, das ergibt eine ganz schöne Vielfalt. Damit du den Überblick behältst, stellen wir dir hier die Dialekte anhand der wichtigsten Charakteristiken vor.
Auf dem Weg in die Tiefen der Schweizer Dialekte! I Bildquelle: Unsplash
Auf dem Weg in die Tiefen der Schweizer Dialekte!

Aargau

Die Aargauer sind die mit den weissen Socken und den schlechten Autofahrkenntnissen. Der Dialekt ist relativ neutral, aber es gibt auch ganz eigene Begriffe. Wie zum Beispiel «Bungert» für Obstgarten, «Röiel» für Kater und «Weifäcke» für Löwenzahn.
 

Appenzell

Die «Appenzöller», wie sie in ihrem Dialekt heissen, sprechen einen ganz eigenen Dialekt. Wenn sie in ihrem Slang so richtig loslegen, wird es für die übrigen Schweizer schwierig. Hier ein paar typische Ausdrücke, weitere gibt es hier:
Hochdeutsch Appenzeller Dialekt
Orange Bumeranze
WC-Papier Födlebotzbapeie
Taschentuch Schnopftuech
Schmetterling Flickflaude(r)

Basel

Der Basler Dialekt gehört nicht zu den Beliebtesten der Schweiz
Der Basler Dialekt gehört nicht zu den Beliebtesten in der Schweiz
«He joderno» ist der typischste Basler Ausdruck und heisst so viel wie «auf jeden Fall». Das Puppenhaus nennt man im Norden der Schweiz «Dittistùùbe». Und der Abfalleimer wird zum «Mischtkübel». Generell mögen die restlichen Schweizer den Dialekt der Rheinstadt nicht besonders, vor allem in Zürich spottet man gerne über ihn.

Bern

Die Berner haben den Ruf, etwas langsam zu sein. Entsprechend gemächlich ist auch der Berner Dialekt. Alles hört sich etwas langgezogen und schwerfällig an. Die bekanntesten Ausdrücke sind Laute wie «iu» oder «gäng», und die Milch wird zur «Miuch». Berner Dialekt vom Feinsten liest man am besten in Franz Hohlers der Geschichte «Totermügerli».

Der Dialekt der Schweizer Hauptstadt ist gemütlich, genau wie die Menschen auch
Der Dialekt der Schweizer Hauptstadt ist gemütlich, genau wie die Menschen auch

Glarus

Den Glarner Dialekt hört man daran gut, dass aus dem «ck» ein «gg» wird. Zum Beispiel heisst «danken» in den meisten Schweizer Kantonen «dankä». In Glarus hingegen sagt man «tang- ge». Die Decke wird zur «Teggi» und aus «dick» wird «tigg».

Graubünden

Für viele der mit Abstand schönste Dialekt des Landes. Er versprüht einen gewissen Charme und eine Lässigkeit, die man auch in den gutaussehenden Skilehrern des Kantons findet. Skifahren in Graubünden heisst «Schkifahre». Und aus «machen» wird «mahen». (mir mahend = «wir machen»).

Luzern und Zug

Die Innerschweizer Kantone Luzern, Uri, Schwyz und Unterwalden haben sehr ähnliche Dialekte
Die Innerschweizer Kantone Luzern, Uri, Schwyz und Unterwalden haben sehr ähnliche Dialekte
Weisst du, was eine «Dilli» ist? Nein? Das ist die Decke. Nicht die zum Zudecken, sondern die Zimmerdecke. So wird sie in Zug und in Luzern genannt. Ein anderes typisches Wort ist «blubbe» (geblieben). Nur in der Innerschweiz sagt man blubbe, im Rest der Deutschschweiz heisst es «blibbe».

Ob- und Nidwalden

Im Herzen der Schweiz liegen die Kantone Obwalden und Nidwalden, deren Dialekt der selbe ist. Rate mal, wie viel das kostet, wenn die Kassiererin sagt: «Neyn-feyfeneynzg»?  Genau, das sind 9.95 Franken. Wenn man in Ob- oder Nidwalden ein bisschen ausruhen möchte, dann sagt man dazu „es schutzili ghirme“. Ganz einfach, oder?

Schaffhausen

Über den Schaffhausener Dialekt spricht man nicht viel, den gibt es einfach. Am ehesten lässt er sich als eine Mischung aus Züridütsch und dem Ostschweizerdialekt beschreiben. Weisst du, was eine «Wurmbaasle» ist? So sagt man Ameise in Schaffhausen. Und aus der Leiter wird die «Laatere».

Solothurn

Der Solothurner Dialekt tönt ähnlich wie der Berner
Der Solothurner Dialekt tönt ähnlich wie Berndeutsch
Für nicht geübte Ohren hört sich der Dialekt aus Solothurn an wie Berndeutsch. Dem würden natürlich sowohl die Berner wie die Solothurner vehement wiedersprechen. Typische Merkmale für den Solothurner Dialekt sind die Dehnung in offener Silbe (etwa Naase ‚Nase). Ein typischer Solothurner Ausdruck ist etwa «Düudäppeli» was so viel wie Trottel bedeutet.

St. Gallen und Thurgau

Ebenso wenig gemocht wie der Zürcher Dialekt wird der Dialekt aus der Ostschweiz. Wobei es zwischen St. Gallen und Thurgau keinen grossen Unterschied gibt. Für viele Schweizer der am wenigsten attraktive Dialekt, weil er sich quitischig anhört. Der meist bekannte Ausdruck heisst «än art» wird oft inflationär in die Sätze eingeschoben. Was zu einem Augenrollen bei den restlichen Schweizern führt. Und «Wa machemo?» heisst nichts anders als: «was machen wir?».

Schwyz

Der Dialekt im Kanton Schwyz ist eher gemässigt, mit der grossen Ausnahme des Muotathals. Der Dialekt dieses abgelegenen Tals bereichert die kulturelle Sprachlandschaft des Kantons Schwyz. Im Online-Wörterbuch des «Muätitaler-Tüütsch» finden sich  rund 11‘000 Wörter. Schau mal rein.

 

 

Uri

Die Unterschiede vom Urner Dialekt zu anderen Dialekten liegen weniger im Wortschatz als viel mehr in der Aussprache. Das «Ürnerditsch» zeichnet sich durch den häufigen Gebrauch von offenen «ü» und «ä» aus. Wie sich anhand des Satzes „Die Maus läuft unter der Mauer durch“ schön zeigen lässt:

  • «D Müüs läift under dr Müürä durä.» (Urnerdeutsch)
  • «D Muus lauft under de Muur dure.» (Züridütsch)

Wallis

Hier wird es selbst für Deutschschweizer kompliziert. Als nicht Einheimischer ist es praktisch unmöglich, die Walliser zu verstehen. Aus «sie» wird «schii», aus «uns «wird «iisch». «Embri heisst so viel wie «hinunter», und das Gegenstück dazu ist «embrüf», was «hinauf» bedeutet. Und wer sich die volle Dosis geben will, der sollte diesen Artikel versuchen zu lesen.

Zürich

Wer richtiges Züridütsch spricht, hat eine Zürischnurre
Wer richtiges Züridütsch spricht, hat eine Zürischnurre
Ein waschechter Zürcher hat eine sogenannte «Zürischnurre». Das ist eine nicht sehr nette Beschreibung des hiesigen Dialekts. Da die Zürcher die Unbeliebtesten sind, mag natürlich auch niemand Züridütsch. «Bagaasch» heisst so viel wie «Gepäck» und « Fisimatänte» sind Flausen, leeres Getue, Ausflüchte, Dummheiten.

Das neutralste Schweizerdeutsch

Keine Angst, niemand erwartet von dir, dass du die Dialekte von 19 Kantonen sprichst. Generell wird gesagt, dass das Schweizerdeutsch in Olten der neutralste Dialekt ist, den man überall gut versteht und gegen den niemand etwas hat. Oft werden Sprecher für Fernseh- oder Radiowerbung aus Olten gebucht.

Welchen Dialekt lerne ich?

Jetzt brauchst du als Ausländer, der Schweizerdeutsch lernen will, natürlich nicht extra nach Olten zu ziehen. Mach dich mit dem Dialekt deines Wohnorts vertraut, das ist am sinnvollsten, weil du den jeden Tag hörst. Dazu empfiehlt es sich, viel lokales Radio zu hören, um dein Ohr an die häufigsten Ausdrücke zu gewöhnen. Und natürlich hilft es enorm, wenn du selbst Schweizerdeutsch lernst. Zum Beispiel mit unseren Online-Kurs oder mit unserem Buch „Schweizerdeutsch in 30 Tagen“. Viel Erfolg!
 
Jedem Kanton sein eigener Dialekt

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