Das Buch ‚Heidi‘ von Johanna Spyri (eigentlich zwei Bände) und die diversen Verfilmungen des Themas prägen für viele Nicht-Schweizer (bis hin zu Japanern des Animé-Genres) das Bild der Schweiz als einem Bergidyll mit knurrigen, aber gutmütigen Alm-Öhis in entlegenen Almhütten, wo es ein bisschen wild, ein bisschen „chalt“ (dt.: kalt), aber sehr urig zugeht. In welcher Medienform auch immer – der kulturelle Bedeutung dieses Werkes ist für Generationen und ihr Verhältnis zur „Schwiizer Bärgwält“ (dt.: Schweizer Bergwelt) immens.

Die Story in ‚Heidi‘

eine Zeichnung von Heidi und Peter
eine Zeichnung von Heidi und Peter

Die Geschichte beginnt mit der Übergabe der Waise Adelheid, Spitzname ‚Heidi‘, an ihren Grossvater, der einsiedlerisch auf einer Alp im Schweizer Kanton Graubünden lebt. Ihre Tante, die sich bis „zu dem Ziitpunkt“ (dt.: zu diesem Zeitpunkt), da sie fünf Jahre alt ist, um sie kümmerte, gedenkt ins ferne Frankfurt zu ziehen, um eine Anstellung in einem grossbürgerlichen Haushalt anzutreten. Der alte Mann, , genannt Alm-Öhi (oder Alp-Öhi) der mit seinem Leben und der Menschheit hadert, lehnt sie erst ab, erliegt aber wie fast alle Figuren rasch ihrem kindlichen Charme.

Neben Alm-Öhi findet Heidi einen neuen Freund in dem elfjährigen Peter, genannt ‚Geissenpeter‘, der mit den Ziegen der Gemeinde auf den Berghängen unterwegs ist. So ist für drei „Johr“ (dt.: Jahre) das Idyll komplett bis die Tante zurückkehrt und ihre Nichte abholt, um sie mit nach Frankfurt zu bringen. Sie soll als Gesellschafterin der gehbehinderten Tochter des Hauses, Klara, dienen. Zwischen den beiden gibt es auch keine Probleme, nur mit der Gouvernante und Hausdame, Fräulein Rottenmeier, die das Mädchen für unzivilisiert hält. Wenigstens resultiert daraus, dass sie Lesen und „Schriibe“ (dt.: Schreiben) lernen kann. Heimweh nach der Schweiz und ihrem alten Leben setzt jedoch ein und beginnt zu einer gesundheitlichen Bedrohung auszuwachsen. Schliesslich wird Heidi von der Familie Sesemann gestattet, um ihrer Gesundung willen zum Alm-Öhi zurückzukehren.

Fortschritt kommt in die Schweiz und aus dieser heraus

Heidi - das Buch
Heidi – das Buch

Die weitere Handlung, die hier mit dem zweiten Buch einsetzt, sieht Heidi wieder ihren Platz beim Alm-Öhi einnehmen, worüber dieser sehr froh ist und aus diesem Anlass endlich umgänglicher mit anderen Menschen wird. Heidi geht jetzt in die Dorfschule und animiert auch den Geissenpeter, sich fortzubilden. Der Faden mit Frankfurt unterdessen reisst nicht ab. Johanna Spyri lässt zuerst den Doktor von Klara Sesemann einen Besuch abstatten, wobei er überzeugt werden kann, Klara zu einem Besuch im Folgejahr vorbeizubringen, da er erkennt, dass sich der Aufenthalt hier in Bergluft und freier Natur positiv auf die Konstitution der Städterin auswirken muss.

Als Klara dann mit familiärer Begleitung tatsächlich in die Schweiz kommt, bestätigt sich das nach einigen Verwicklungen. Diese sind vor allem von Peters Eifersucht gegen Klara geprägt – was indirekt zu ihrem Vorteil gereicht, da durch ihn ihr Rollstuhl zerschellt und Klara letztendlich zu Bemühungen „ahgregt“ (dt.: angeregt) wird, die zu ihrer Heilung beitragen. Sie lernt nämlich zu gehen. Am Ende versprechen die Frankfurter aus Dankbarkeit dem Alm-Öhi, dass sie für Heidi sorgen werden, wenn er dazu nicht mehr in der Lage sein würde.

Zwei Bücher über Heidi, verschmolzen zu einem und einer langen Interpretationsgeschichte

Im Original war die geschilderte Story aufgeteilt auf zwei Bücher der Jahre 1879 und 1881, nämlich „Heidis Lehr- und Wanderjahre“, das mit der Rückkehr aus Frankfurt endet, und der Fortsetzung „Heidi kann brauchen, was es gelernt hat“ mit den Schilderungen der Veränderungen für die Heldin nach ihrer Rückkehr „in d Schwiiz“ (dt.: in die Schweiz). Dieses Werk von Johanna Spyri ist oft verfilmt worden, zuerst als amerikanischer Stummfilm im Jahr 1920. Den meisten Zeitgenossen dürfte dagegen die japanische Zeichentrickserie von 1974 als unverbrüchlicher Bestandteil ihrer Kindheit bekannt sein.

Vor wenigen Jahren ist 2015 die neueste Verfilmung durch Regisseur Alain Gsponer hinzugetreten, mit einem der prominentesten Schweizer Schauspieler, Bruno Ganz, in der Rolle des Alm-Öhi. Die Darstellerin der Heidi Anuk Steffen soll auch nicht unerwähnt bleiben, trägt sie doch durch „d Handlig“ (dt.: die Handlung). Das Buch wie diese Verfilmung sind auf Amazon erhältlich.

Ansätze zur Rezension des Werkes

Heidi - der Film
Heidi – der Film

Ein Hauptdarsteller im Film wird natürlich gar nicht genannt, ist aber unverzichtbar: das sind die Schweizer Berge als Drehkulisse für die Szenen, die am Originalschauplatz in Graubünden spielen. Man muss wissen, dass für den Film jegliche religiösen Passagen aus der Vorlage gestrichen wurden. Die Buchausgabe enthält diese freilich noch und gibt sich mit dem nostalgischen, farbigen Cover auch den „Ahschin“ (dt.: Anschein) einer historischen Ausgabe mit über 300 Seiten. Kann man das Thema ‚Heidi‘ als zeitlos betrachten? Die Weglassung der christlichen Komponenten liess den Gegensatz zwischen ‚gesunder‘ Bergwelt in der Schweiz und der ‚ungesunden‘ Stadt bestehen, erwähnt aber nicht, dass auch Landwirtschaft unter kargen Bedingungen ohne technische Hilfsmittel alles anderes als ein Zuckerschlecken war.

Sicher ist das Bild der Schweiz idealisiert und romantisiert, aber gerade das macht den Charme des Werkes aus. Heidi eignet sich gut als Identifikationsfigur, die durch ihr Wesen unter teils widrigen Umständen Positives unter ihrer Umgebung bewirkt. Nicht zuletzt sind Buch wie Film von einem Happy End gekrönt. Naturschutz und seine Würdigung sind heute stärker gewürdigt als möglicherweise zur Entstehungszeit des Buches, als Fortschrittsglaube und Industrialisierung im Vordergrund standen, ohne Widerspruch zu finden.

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Ist ‚Heidi‘ geeignet für das Studium des Schweizerdeutsch?

Mit zum Erhalt dieser Bergwelt und Natur gehören auch kulturelle Aspekte, etwa die Pflege des Schweizerdeutsch. Auf Youtube können Sie sich einen ersten Eindruck vom Schweizerdeutsch im Film machen, doch müssten Sie wie gesagt die ausdrücklich Schweizerdeutsche Version von ‚Heidi‘ nehmen, um den ganzen Film in dieser „Sproch“ (dt.: Sprache) anschauen zu können. Immerhin gibt es dort auch deutsche Untertitel, sodass auch Nicht-Schweizer Orientierung erhalten. Damit man den Alm-Öhi mal richtig original granteln hören kann.

Wegen der leicht verständlichen Handlung empfiehlt sich der Film vielleicht auch für einen medienunterstützten Unterricht im Schweizerdeutsch, quer durch alle Altersstufen. Der Verfilmung des Buches von Johanna Spyri kommt zugute, dass sie anders als andere Interpretationen ohne Kitsch auskommt.

 

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Vokabular – Liste

Schweizerdeutsch Hochdeutsch
1 chalt kalt
2 Schwiizer Bärgwelt Schweizer Bergwelt
3 zu dem Ziitpunkt zu diesem Zeitpunkt
4 Johr Jahre
5 Schriibe Schreiben
6 ahgregt angeregt
7 in d Schwiiz in die Schweiz
8 d Handlig die Handlung
9 Ahschin Anschein
10 Sproch Sprache

 

Heidi: Ein romantischer Blick in die Schweizer Bergwelt seit Generationen

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