Die Schweizer gehören zu den am Besten versicherten Nationen der Welt. Man könnte auch sagen, die Schweizer seien überversichert. In der Schweiz kann man so ziemlich alles versichern, was einem am Herzen liegt: die Gesundheit, den Hausrat, das Auto, die Reisetätigkeit, die Zähne, die Flüge, das Haustier, das Smartphone…. die Liste ist unendlich lang.

Ganz offensichtlich braucht es nicht alle diese Versicherungen. Eine jedoch braucht es ganz unbedingt, rein schon von Gesetzes wegen. Und zwar die Krankenversicherung. Alles was du zu diesem Thema wissen musst, findest du hier.

Eine Krankenversicherung ist in der Schweiz obligatorisch, auch für Ausländer
Eine Krankenversicherung ist in der Schweiz obligatorisch, auch für Ausländer

Obligatorische Krankenversicherung – kein Weg führt an der Krankenkasse vorbei

Ausländer, die in der Schweiz wohnhaft sind, müssen eine Krankenversicherung in der Schweiz abschliessen. Diese ist gemäss dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) obligatorisch. Dabei wird zwischen der Grundversicherung und der Zusatzversicherung unterschieden. Nur die Grundversicherung ist gemäss KVG obligatorisch, die Zusatzversicherung wird freiwillig und gemäss den persönlichen Bedürfnissen abgeschlossen.

KGV gibt Leistungen der Grundversicherung vor

Die Grundversicherung deckt alle wichtigen Leistungen im Krankheitsfall ab. Welche das sind, wird im Bundesgesetz über die Krankenversicherung klar geregelt. Deshalb unterscheidet sich die Grundversicherung bezüglich der Leistung nicht, alle Anbieter müssen sich an das Gesetz halten. Zu beachten ist, dass die Grundversicherung Zahnarztbehandlungen nicht abdeckt, diese können jedoch über eine freiwillige Zusatzversicherung versichert werden.

Zusatzversicherung gemäss den persönlichen Bedürfnissen abschliessen

Wenn du dich mit der Grundversicherung nicht genügend versichert fühlst, kannst du eine Zusatzversicherung abschliessen. Diese muss nicht zwingend bei der selben Krankenkasse der Grundversicherung abgeschlossen werden. Du kannst also die Grundversicherung bei der Krankenkasse A und die Zusatzversicherung bei der Krankenkasse B abschliessen. Hier eine Übersicht der Leistungen, die in der Grundversicherung nicht enthalten sind und die eine Zusatzversicherung abdeckt:

  • Alternativmedizin
  • Brillen und Kontaktlinsen
  • Psychotherapie
  • Schutz- und Reiseschutzimpfungen
  • Hilfsmittel
  • Notfall- und Verlegungstransporte sowie Rettungs- und Bergungskosten
  • Behandlungen im Ausland (auch temporär für den Ferienaufenthalt)
  • Notfall- und Verlegungstransporte sowie Rettungs- und Bergungskosten
  • Hauskrankenpflege und Haushaltshilfe
  • Massnahmen zur Gesundheitsvorsorge wie Abonnemente für Fitness-Center, Hallenbäder, etc.
Die Zusatzversicherung beteiligt sich zum Beispiel an den Kosten des Fitnessabos
Die Zusatzversicherung beteiligt sich zum Beispiel an den Kosten des Fitnessabos

Im Gegensatz zur Grundversicherung sind die Leistungen in den Zusatzversicherungen von Krankenkasse zu Krankenkasse verschieden. Ein Vergleich lohnt sich. In der Zusatzversicherung können die Krankenkassen die Prämien nämlich risikogerecht, das heisst abgestuft nach Alter und Geschlecht, gestalten. Sie dürfen auch Vorbehalte anbringen oder die Aufnahme ohne Begründung ablehnen. Wie gut deine Chancen stehen, eine Zusatzversicherung abschliessen zu können, kannst du hier testen.

3-monatige Anmeldefrist nicht verpassen

Nach dem Zuzug in die Schweiz hast du drei Monate Zeit, dich bei einer Krankenkasse zu versichern. Innerhalb der zugelassenen Krankenkassen ist die Auswahl frei. Die zuständigen kommunalen oder kantonalen Stellen überwachen die Versicherungspflicht (diese fordern dich auf, eine Kopie der Police oder der Versichertenkarte einzureichen) und genehmigen allfällige Ausnahmen.

Ausnahmen

Ausnahmen von dieser Regel gibt es trotz Wohnsitz in der Schweiz in folgenden Fällen:

  • Rentnerinnen und Rentner, wenn sie ausschliesslich eine Rente aus einem EU- / EFTA-Staat beziehen.
  • Erwerbstätige, die in einem EU- / EFTA-Staat arbeiten.
  • Studierende bei vorübergehendem Aufenthalt und gleichwertiger Versicherung.
  • Personal von internationalen Organisationen, Botschaften und Konsulaten, und unter bestimmten Voraussetzungen deren Familienmitgliedern.

Grenzgängerinnen und Grenzgänger hingegen – Personen, die in einem Nachbarland wohnen und in der Schweiz arbeiten – haben die Wahl: sie können sich in der Schweiz oder an ihrem Wohnort versichern.

Wie wähle ich eine Krankenkasse aus?

Die Wahl der Krankenkasse ist ein heiss diskutiertes Thema in der Schweiz. Besonders im Herbst, wenn die Kassen die Prämien für das kommende Jahr kommunizieren. Seit Jahren steigen die Prämien unaufhörlich und Politik, Krankenkassen, Ärzte und die Pharmabranche schieben sich gegenseitig die Schuld dafür zu. Eine Lösung ist leider nicht in Sicht.

Nichts desto trotz lohnt sich ein Vergleich der verschiedenen Kassen. Die Höhe deiner Krankenkassenprämie hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Unter anderem:

  • Wohnort
  • Alter
  • Geschlecht
  • Versicherungsmodell
  • Franchise
  • Anbieter der Krankenversicherung

Wohnort:

Personen, die in der Stadt wohnen, bezahlen in der Regel eine höhere Prämie als Personen, die auf dem Land leben. Die einzelnen Krankenkassen müssen je Kanton und Prämienregion identische Prämien anbieten. Je Kanton sind bis zu drei Prämienregionen vorgegeben.

Wer auf dem Land lebt, zahlt weniger Krankenkassenprämie
Wer auf dem Land lebt, zahlt weniger Krankenkassenprämie

Alter:

Je älter man ist, desto höher fällt die Prämie aus. Es gibt drei unterschiedliche Altersgruppen mit entsprechenden Prämien: 0-18 Jahre, 19-25 Jahre und über 26 Jahre.

Geschlecht:

Frauen bezahlen höhere Prämien als Männer. Weil sie statistisch gesehen länger leben und Kinder gebären.

Versicherungsmodell:

In der Grundversicherung gibt es verschiedene Versicherungsmodelle, die alle zum Ziel haben, dass der Versicherte Prämien sparen kann. Dazu gehört beispielsweise das Hausarztmodell. Für eine Prämienreduktion von ca. 10% verpflichtet man sich, bei Arztbesuchen (ausser in Notfällen) zuerst den Hausarzt aufzusuchen. Es gibt auch Kassen, bei denen man sich verpflichtet, zuerst die telefonische Helpline zu kontaktieren, bevor man einen Arzt aufsucht. Dieses Modell heisst Telmed. Mit diesen Modellen versuchen die Kassen die Leute davon abzuhalten, wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt oder in den Notfall zu rennen.

Franchise:

Die Arztrechnungen sind nicht zu 100% von der Krankenkasse gedeckt, auch wenn man eine Krankenversicherung hat. Jede Person muss pro Jahr einen bestimmten Betrag selber bezahlen. Diesen Betrag nennt man Franchise. Erst wenn die Franchise ausgeschöpft ist, beginnt die Kasse, die folgenden Arztrechnungen zu übernehmen. Aber auch dann nicht zu 100%. Ist der Franchise-Betrag nämlich erreicht, übernimmt die Krankenkasse die zusätzlichen Kosten zu 90% (10% ist der Selbstbehalt, bis maximal CHF 700).

Nach Erreichung der gewählten Franchise übernimmt die Kasse die Arztrechnungen
Nach Erreichung der gewählten Franchise übernimmt die Kasse die Arztrechnungen

Die Höhe der Franchise kann selber gewählt werden. Grundsätzlich gilt, Je höher die gewählte Franchise, desto tiefer die monatliche Krankenkasse-Prämie. Die meisten Krankenkassen bieten alle sechs möglichen Franchisen von CHF 300, 500, 1000, 1500, 2000 und 2500 an.

Anbieter:

Die Leistungen der Grundversicherung sind im Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) genau vorgegeben. Dennoch unterscheiden sich die Prämien bei den einzelnen Anbietern deutlich. Es empfiehlt sich, bei mehreren Kassen eine Offerte einzuholen und diese genau zu vergleichen.

Eine gute Anlaufstelle um Krankenkassen zu vergleichen, ist das Internetportal Comparis. Hier kannst du sowohl Grund- als auch Zusatzversicherungen vergleichen.

Das Einkommen und der Gesundheitszustand haben keinen Einfluss auf die Höhe der Krankenkassen-Prämie. Die Krankenversicherungen sind verpflichtet, jeden Eintrittswilligen unabhängig von seinem Gesundheitszustand zu versichern.

Das sind die Top 10 der Schweizer Krankenkassen

#1: Helsana

Kontakt:

Helsana Versicherungen AG, 8081 Zürich, Tel. 043 340 11 11

#2: CSS

Kontakt:

CSS Kranken-Versicherung AG, Tribschenstrasse 21, Postfach 2568, 6002 Luzern, Tel. 058 277 11 11

#3: Swica

Kontakt:

Swica Krankenversicherung, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur, Tel. 052 244 22 33

#4: Assura

Kontakt:

Assura-Basis SA, Avenue C.-F. Ramuz 70, 1009 Pully, Tel. 0842 277 872

#5: Concordia

Kontakt:

Concordia Schweiz. Kranken- und Unfallversicherung AG, Bundesplatz 15, 6002 Luzern, Tel. 041 228 01 11

#6: Visana

Kontakt:

Visana AG

Weltpoststrasse 19/21, Postfach 253, 3000 Bern 15, Tel. 031 357 91 11

#7: KPT

Kontakt:

KPT Krankenkasse AG, Wankdorfallee 3, 3001 Bern, Tel. 058 310 91 11

#8: Mutuel Assurance

Kontakt:

Mutuel Assurance Maladie SA, Rue de Cèdres 5, 1919 Martigny, Tel. 0848 803 111

#9: Sanitas

Kontakt:

Sanitas Grundversicherungen AG, Jägergasse 3, Postfach 2010, 8021 Zürich, Tel. 044 298 63 00

#10: Atupri

Kontakt (Hauptstelle):

Atupri Gesundheitsversicherung, Zieglerstrasse 29, 3000 Bern 65, Tel. 031 555 09 11

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