Jassen ist das wohl verbreitetste und beliebteste Kartenspiel in der Schweiz und gilt bei vielen gar als Nationalspiel. Vor allem ältere Männer jassen besonders gehen, sei es am Stammtisch in der Kneippe, daheim mit Freunden oder während einem Ausflug. Doch in den letzten Jahren haben auch die Jungen das Spiel wieder entdeckt. Das Jassen hat gar im Fernsehen einen festen Platz. Die Sendungen „Donnschtig-Jass“ und „Samschtig-Jass“, die jeweils donnerstags und samstags im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt werden, erfreuen sich seit Jahren hoher Beliebtheit. Worum also handelt es sich beim Jassen und worin besteht die Faszination dieses Spiels?

Jassen ist das beliebteste Kartenspiel der Schweizer

Die Geschichte des Jassens

Das Jassen gilt zwar als urschweizerische Tradition, seine Wurzeln hat das Kartenspiel aber im Orient. Von dort gerieten die Spielkarten im Spätmittelalter nach Europa. Schweizer Söldner sollen das Spiel in der Folge aus den Niederlanden in die Schweiz gebracht haben. Jassen hat also keinen einheitlichen Ursprung, was sich auch in den verschiedenen Spielkarten zeigt, die existieren. In der französischen Schweiz wird meist mit französischen Karten gespielt (Herz, Ecke/Karo, Schaufel/Pik und Kreuz/Treff), während der Osten des Landes die deutschen Karten bevorzugt (Schellen, Rosen, Schilten, Eichel).

Der Schieber – ein Klassiker

Beim Jassen existiert eine schier unendliche Zahl von Spielvariationen. Am bekanntesten und für Anfänger am einfachsten ist die Variante „Schieber“. Bei dieser Spielvariante erhalten die vier Spieler zu Beginn des Spiels je 9 Spielkarten ausgeteilt. In jeder Spielrunde darf ein Spieler auf Grundlage seiner Karten den „Trumpf“ bestimmen. Werden die Karten der Farbe Herz zum Trumpf erklärt, so „stechen“ alle Karten der Farbe Herz die Karten der anderen Farben aus, was bedeutet, dass sie einen höheren Spielwert haben. Legt also ein Spieler die Herz-Sechs, so ist dies eine stärkere Karte als der Kreuz-König, den ein anderer Spieler gelegt hat.

Die Spieler spielen beim Schieber in Zweierteams, wobei sich die beiden Spieler eines Teams jeweils diagonal am Tisch gegenübersitzen. Die Teams verfolgen beide das Ziel, möglichst viele „Stiche“ zu machen und damit möglichst viele Punkte zu gewinnen. Die Spielvariante Schieber hat ihren Namen davon erhalten, dass hier die Spieler immer die Möglichkeit haben, die Verantwortung zur Bestimmung des Trumpfs ihrem Mitspieler zuzuschieben, wenn er oder sie schlechte Karten haben sollte.

Spezielle Kartengewichtung beim Schieber

Das Jassen wäre nicht komplett ohne die Spezialkarten, die beim Spiel mit Trumpfkarten zum Zug kommen. Bei der als Trumpf bestimmten Farbe ist nicht das Ass die höchste Karte, sondern der Bube, der je nach Region als „Buur“ (Bauer) oder als „Under“ bezeichnet wird. Zweithöchste Karte beim Trumpf ist die Neun, die „Nell“ genannt wird. Nach Buur und Nell folgen die weiteren Trumpfkarten vom Ass abwärts.

Jassen als beliebtes Kneipenspiel
Jassen als beliebtes Kneipenspiel

Weitere Spielvarianten

Differenzler

Neben dem Schieber existieren viele weitere Spielvarianten, die vor allem von fortgeschrittenen Spielern genutzt werden. Beim „Differenzler“ spielen die Spieler nicht in Teams, sondern alleine. Sie müssen vor jeder Runde ansagen, wie viele Punkte sie erzielen wollen. Es gewinnt bei dieser Variante, wer eine möglichst kleine Differenz zwischen Ansage und tatsächlich erzieltem Resultat vorweisen kann. Der Differenzler ist besonders beliebt, weil er auch in der Sendung Samschtig-Jass des Schweizer Fernsehens gespielt wird.

Molotow

Die Variante „Molotow“ ist, so deutet es der Name bereits an, eher zerstörerisch. Hier geht es für jeden Spieler darum, möglichst wenige Punkte zu erzielen.

Bieter

Der „Bieter“ ist eine Variante, die bei einer ungeraden Spielerzahl gerne gespielt wird. Hier spielt ein Spieler gegen zwei oder zwei gegen drei, wobei nicht beide Seiten gleich viele Punkte erzielen müssen.

Coiffeur

Ein abendfüllendes Spiel muss erwarten, wer die Variante „Coiffeur“ ausprobiert. Hier müssen die Teams eine Liste verschiedener Spielarten abarbeiten, so dass jedes Team jede Spielart jeweils einmal gespielt hat. Das kann ganz schön dauern.

Abmachungen – der geheime Trick

Ein grundlegendes Prinzip beim Jassen ist die Fairness. Es ist streng verpönt, sich offen über die eigenen Karten auszutauschen. Durch vorherige Abmachungen über die Bedeutung gewisser Spielzüge können sich die Teams aber auf subtile Art über ihre Karten informieren. Gerade hier liegt für fortgeschrittene Spieler der besondere Reiz des Jassens. Es sind denn auch oft gut geübte Teams, die beim Jassen besonders oft gewinnen.

Ausrüstung zum Jassen - die Schiefertafel
Ausrüstung zum Jassen – die Schiefertafel

Die Ausrüstung

Das Jassen ist Schweizer Kulturgut wie das Alphorn und wird seit bereits seit mehreren Generationen gespielt. Die Begeisterung zeigt sich darin, dass praktisch jede Schweizer „Beiz“ (Kneipe) ihren Gästen die für das Jassen notwendige Ausrüstung zur Verfügung stellt. Neben den Karten ist dies ein Spielteppich, der auf den Tisch gelegt wird und der die Karten sauber hält sowie eine Schiefertafel, auf der die Spielresultate notiert werden.

Vokabular – Liste

Schweizerdeutsch Hochdeutsch
1 Chartäspiel Kartenspiel
2 Spielcharte Spielkarten
3 Farbä Farben
4 d Möglichkeit die Möglichkeit
5 Pünkt Punkte
6 Buur Bauer
7 usztuusche auszutauschen
8 Beiz Kneipe
9 günnä gewinnen
10 verlürä verlieren

Jassen und Schweizerdeutsch gehen Hand in Hand

Da es sich beim Jassen um das urtypische Schweizer Kartenspiel handelt, wäre es doch toll, du könntest dich dabei mit deinen Schweizer Freunden auch auf Schweizerdeutsch unterhalten. Melde dich darum noch heute für unseren Online-Kurs an und mache dich fit für deinen ersten Jassabend.

DAS Schweizer Kartenspiel: Jassen

Schweizerdeutsch & Schweiz Kommentare

  • 19. September 2020 um 8:09
    Permalink

    Wer erzählt den Schwachsinn dass es die Sprache „Schweizerdeutsch“ gibt? Es gibt in der Schweiz die verschiedenen Dialekte von „Deutsch“, welche ausgeprägt gepflegt werden. Der Berner Dialekt unterscheidet sich vom Basler und vom St. Gallener usw. Geauso wie sich der Münchner von Dresdner und vom Hamburger unterscheidet. Reden alle puren Dialekt versteht einer den anderen nicht mehr. während die Schweizer darauf stolz sind ist das in Deutschland verpönt.

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