Wusstest du, dass Albert Einstein im Abitur eine Durchschnittsnote von 5,0 hatte? Tja. Bevor du jetzt denkst, dass du mit deiner Schulleistung einen der größten Physiker aller Zeiten übertriffst, müssen wir dich leider enttäuschen.
Einstein machte sein Abitur nämlich in der Schweiz. Und da laufen die Uhren ein bisschen anders, auch was das Notensystem betrifft.

Schule in der Schweiz - Notengebung | Bilderquelle: unsplash.com
Schule in der Schweiz – Notengebung | Bilderquelle: unsplash.com

In diesem Artikel zeigen wir dir alles Wichtige, was du brauchst um dich im Schweizer Schulsystem zurechtzufinden. Wir erklären dir, was die Zensuren in der Schweiz bedeuten, wie sie vergeben werden und was du übers Studium in der Schweiz wissen solltest. 

Die Bildungslandschaft der Schweiz

Die Schweiz hat ein ziemlich komplexes, aber sehr faires Schulsystem | Bilderquelle: unsplash.com
Die Schweiz hat ein ziemlich komplexes, aber sehr faires Schulsystem | Bilderquelle: unsplash.com

Das Schweizer Schulsystem unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten vom deutschen und ist außerdem auch teilweise vom jeweiligen Kanton abhängig, in dem man sich befindet. Am ehesten kann man das Bildungssystem der Schweiz mit dem in den USA vergleichen.

Grundsätzlich geht die Grundschulzeit (hier wird sie Volksschule genannt) über acht statt wie in Deutschland oder Österreich nur vier oder sechs Jahre. Danach kann man aufs Gymnasium wechseln, natürlich nur, wenn die Leistungen dementsprechend sind. Die Schweizer nennen das Gymnasium im Schweizerdeutsch liebevoll Gymer. (Mehr dazu findest du bei uns im Schweizerdeutsch Onlinekurs.)

Das Gymnasium zieht sich dann noch einmal über vier Jahre, die QuartaTertiaSekunda und Prima genannt werden.
An die Gymnasialzeit schließt sich die sogenannte Maturitätsprüfung, also die Reifeprüfung oder Abitur an. Der bestandene Abschluss heißt dann MaturaMatur oder Maturität.
Nach der gymnasialen Oberstufe bzw. der Fachmaturität an der Fachmittelschule (ähnlich dem Fachabi) führt dich der Bildungsweg entweder weiter in die Uni oder an die Hochschule.

Na? Schon verwirrt? Dann kommen jetzt noch mehr Infos.

Nach sechs Schuljahren in der Volksschule entscheidet sich, ob du danach in die Sekundarstufe oder in die Realstufe kommst. Um ins Gymnasium zu kommen, brauchst du Sekundarniveau.
Wenn deine Leistungen nach acht Schuljahren in der Volksschule nicht ausreichend sind, hast du die Möglichkeit entweder eine Prüfung zu machen um das Gymnasium besuchen zu dürfen oder ein weiteres Jahr in der Volksschule zu bleiben.

Wer nicht aufs Gymnasium geht, hat nach der Volksschule verschiedene Möglichkeiten eine Berufsausbildung zu machen.

Notengebung in der Schweiz

Jetzt weißt du, wie das Schweizer Bildungssystem aufgebaut ist. Aber wie kommen denn nun all die Fünfen und Sechsen auf Einsteins Maturitätszeugnis? 

Einfach gesagt sind die Noten in der Schweiz umgekehrt zu den Noten in Deutschland oder Österreich. Der “Sechser” ist die bestmögliche, der “Einser” die schwächste Zensur. Um eine Prüfung zu bestehen, braucht man mindestens eine Vier.

Außerdem kannst du in der Schweiz auch halbe Noten (4,5 oder 5,5) bekommen. In manchen Gegenden geht die Notenskala auch bis 10, wie in Deutschland ist Bildung auch hier “Ländersache”.

Studieren in anderen Ländern kann sich stark unterscheiden | Bilderquelle: unsplash.com
Studieren in anderen Ländern kann sich stark unterscheiden | Bilderquelle: unsplash.com

Auch die vielen verschiedenen Landessprachen, die in der Schweiz gesprochen und geschrieben werden, haben Auswirkungen auf den individuellen Bildungsweg. Wer nach der Volksschule beispielsweise nicht sofort einen Ausbildungsplatz findet, hat die Möglichkeit, ein weiteres Jahr die Schule zu besuchen und dabei einen anderen sprachlichen Schwerpunkt zu legen.

Einsteins Abitur entsprach mit einer Durchschnittsnote von 5 jedenfalls eigentlich einer “guten” Leistung, in Deutschland hätte er ungefähr mit einer 2 abgeschlossen.
Ein weiterer großer Unterschied zum deutschen Notensystem ist, dass es mehr Noten gibt, mit denen man nicht besteht, als Noten, mit denen man bestanden hat. Wenn z.B. ein Klassendurchschnitt oder der Durchschnitt mehrerer Prüfungen in einem Fach ermittelt wird, haben die schlechteren Noten (0 bis 4) mehr Gewicht als die besseren (4 bis 6).
Wie überall auch lohnt es sich natürlich gar nicht, in einer Prüfung zu schummeln, auch wenn die Versuchung vielleicht groß ist. Wer erwischt wird, kriegt dafür nämlich einen Nagel, eine 1. Und dass die Schweizer ganz besonders genau sind, ist ja allgemein bekannt… .

 

Lass dich bei halben und Zwischennoten nicht verwirren!

Es gibt in der Schweiz verschiedene Möglichkeiten die Abstufungen in der Notengebung darzustellen. Auf dem Zeugnis tauchen meist nur ganze und halbe Noten auf, diese können entweder als Dezimalzahl (4,5) dargestellt werden, als Bruch (4 ½) oder als Von-Bis-Angabe (4-5).
Bei weniger wichtigen Zensuren z.B. von Zwischennoten und Tests sind auch noch kleinere Schritte möglich, z.B. eine 4,25. Das entspricht einer 4+, wird aber auch als 4- geschrieben (“Vier bis Fünf”, kurz “Vier bis”).

Das Notensystem in der Schweiz erinnert ein bisschen an ihre Sprache: Dem Deutschen sehr ähnlich, aber dann doch wieder ziemlich anders und gar nicht so einfach zu verstehen.
Pass mit den waagerechten Strichen vor und nach den Zahlen also genau auf! Eine 4- ist nicht wie bei uns schlechter als eine glatte 4 sondern besser, weil es fast eine 4,5 ist. Du kannst auch eine -4 bekommen, also “bis Vier”. Das entspricht dann einer 3,75.

Notentabelle in der Schweiz

Zur Vereinfachung kann dir folgende Tabelle mit Prozentzahlen dienen, um objektiv die Leistung einer Prüfung zu bewerten und leichter einen aussagekräftigen Durchschnitt zu berechnen:

Erbrachte Leistung Note Wortwertung
100 % 6,0 sehr gut
90 % 5,5 gut bis sehr gut
80 % 5,0 gut
70 % 4,5 genügend bis gut
60 % 4,0 genügend
50 % 3,5 ungenügend
40 % 3,0 schwach
30% 2,5 sehr schwach bis schwach
20% 2,0 sehr schwach
10% 1,5 unbrauchbar bis sehr schwach
0% 1,0 unbrauchbar

Benotung im Studium

Das International Office jeder Hochschule gibt Empfehlungen zur Notenumrechnung im Studium, die jedoch nicht bindend sind. Die Umrechnungen können also von Uni zu Uni variieren, deshalb solltest du dich darüber individuell informieren.

ETH Zürich - einer der besten Schulen der Welt | Bilderquelle: pixabay.com
ETH Zürich – einer der besten Schulen der Welt | Bilderquelle: pixabay.com

Als grobe Orientierung kann dir diese Tabelle der Hochschulnoten dienen:

Note Wortwertung Latein Wortwertung Deutsch Wortwertung Englisch
6,0 summa cum laude hervorragend excellent
5,5 insigni cum laude sehr gut very good
5,0 magna cum laude gut good
4,5 cum laude befriedigend satisfactory
4,0 rite ausreichend pass
3,5 ungenügend fail
3,0
2,5
2,0
1,5
1,0

An manchen Hochschulen wird ebenfalls eine Skala von eins bis zehn angewendet, wobei eins wieder die schlechteste, zehn die bestmögliche Zensur ist.

Ob dein deutscher Schulabschluss in der Schweiz anerkannt wird, hängt von den Umständen und der Branche ab. In der schweizer Botschaft oder auf der offiziellen Website des Landes kannst du dir Merkblätter über die einzelnen Berufsabschlüsse ansehen und herunterladen.
Für Krankenpflegepersonal beispielsweise ist ein Zusatzkurs mit Prüfung erforderlich, um in der Schweiz zu arbeiten.
Wer EU-Bürger ist, muss übrigens keine Arbeitsbewilligung mehr vorweisen, sondern hat offenen Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt.

Auf einen Blick: Noten in der Schweiz

Da haben es sich die Schweizer mal wieder schwerer gemacht als nötig, denkst du jetzt vielleicht. Das Wichtigste, ist: Die Noten in der Schweiz gehen wie die deutschen von eins bis sechs, ihre Wertigkeit ist jedoch umgekehrt.

Die Grundschule dauert acht oder neun Jahre, das Gymnasium vier.  Und über deine beruflichen Möglichkeiten nach dem Abschluss solltest du dich am besten individuell informieren.

Viel Spaß, viel Erfolg und Grüezi!

 

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