Wer sich unter Hornussen eine Aktion reiche Sportart vorstellt, der irrt. Hornussen ist ein Sport, der zwar durchaus dynamisch, dennoch eher bedächtig betrieben wird. Angriff und Verteidigung wechseln sich ab. Der Schwerpunkt liegt bei dieser echten schweizerischen und traditionsreichen Sportart auf dem mannschaftlichen Zusammenhalt. 

Hornussen ist eine für alle Altersgruppen „geigniti“ Sportart. Dies liegt in erster Linie daran, dass der Spieler seine Belastungsgrenze selbst bestimmt. Aber auch die geringen Kosten und die simplen „Reglä“ machen diese Sportart für Sportler jeden Alters interessant.

Hornussen – Wo liegt der Ursprung des Spiels?

Traditioneller Schweizer Sport – Hornussen

Hornussen entwickelte sich aus einem heidnischen Brauch. So war es in vergangenen Zeiten üblich, böse Geister zu vertreiben, indem brennende Holzscheite vom Berg hinunter in das Tal geschlagen wurden. Nach und nach verlagerte sich dieser Brauch in die Täler und wurde zu einem Mannschaftssport. Wie bei jedem Sport ist es auch hier das Ziel, „dr Gägner“ zu besiegen. Allerdings findet weder direkter Körperkontakt, noch ein direktes aggressives Angehen des Gegners statt. 

In Kirchenbüchern des 16. Und 17. Jahrhunderts finden sich die ersten schriftlichen Aufzeichnungen. Eine der Eintragungen bezieht sich auf das Chorgericht in Lauperswil (Emmental), welches den Hornussen eine Rüge aussprach. Diese hatten sich erdreistet, während der Kinderlehre ihrem Spiel zu frönen. In „Uli der Knecht“ beschrieb Jerimias Gotthelf bis ins Detail das Hornussen. Auch die Bedeutung für das damalige „buurige“ Leben wurde aufgezeigt. Schnell wurde Hornussen zu einem richtigen Wettkampsport. 1655 fand in Trub das erste, bekannte Wetthornussen statt. Im 19. Jahrhundert setze sich der Turnerverband dafür ein, dass Hornussenwettkämpfe auf den ersten Schwing- und Älplerfest ausgetragen werden konnten. Der Eidgenössische Hornussenverband wurde 1902 in Burgdorf gegründet und gewann schnell an Bedeutung. Schon innerhalb des ersten Jahres traten 24 Gesellschaften mit etwa 600 Hornussern dem Verband bei.

Wie läuft Hornussen nun eigentlich ab?

Beim Hornussen dreht sich alles um den Hornuss (Nouss). Dieses schwarze Flugobjekt hat eine Grösse von 62 bis 32 Millimetern und wiegt 78 Gramm. Auf beiden Seiten des Hornuss befindet sich eine große Rille. Weiterhin wird ein Bock benötigt. Dieser dient als „Abschlagvorrichtig“ und Führungsschiene für den Träf. Der Bock besteht aus zwei aus Chromstahl hergestellten, sogenannten Läufen. So herrschen gleiche Bedingungen für Rechts- und Linksschläger.

Der Hornuss wird mittels eines Stückes Lehm auf dem vorderen Ende des Bocks aufgesetzt. Der verwendete Träfdurchmesser, die Windverhältnisse und die Schlagtechnik bestimmen die hierbei die Aufsetzhöhe. Das Aufsetzen übernimmt der Setzer, der „gnaus Wüsse“ über den entsprechenden Schläger, dessen Schlagtechnik und Material haben muss.

Schlecht geschlagene Hornussen werden durch eine, vor dem Bock aufgestellte Schussblende aufgefangen. Dies dient dem Schutz der vordersten Abtuer vor schlecht zu sehenden oder tieffliegenden Hornussen.

Hinter dem Bock befindet sich ein grünes Absperrtuch. Dies schützt zum einen die Zuschauer und ermöglicht zum anderen den hintersten Abtuern eine bessere Sicht auf den Schläger.

Was braucht es?

Hornussen – Schweizer Sport

Um einen Hornussen abzuschlagen ist selbstverständlich ein Schläger von Nöten. Dieser wird hier als Stecken bezeichnet. Es gibt ihn aus Kunststoff, Aluminium, Fieberglas und auch aus Carbon. Die Stecken sind zwei bis drei Meter lang und biegsam. Jeder Schläger wählt seinen Stecken nach der eigenen Körpergrösse, Schlagtechnik, „Chraft“ und dem Gewicht des Träfers aus. Der Träf ist aus Ahorn oder Buchenholz gepresst. Mit dem Träf wird die Kraft auf den Hornuss übertragen. Große Weiten lassen sich nur mittels rechtwinkligen Auftreffen auf dem Hornuss, eine hohe Beschleunigung und einer guten Schlagtechnik erreichen.

Was ist das Ziel?

Ziel ist es, den Hornuss möglichst weit ins Ries zu schlagen. Bei einer Weite von mindestens 100 Metern gibt es einen Punkt. Pro zehn Meter zusätzlicher Weite, wird ein Punkt dazugerechnet. Gewertet werden die Punkte sowohl für den Schläger persönlich als auch als Teil des Mannschaftsresultats.

Der Fairness halber treten die Mannschaften zum Abtun und Schlagen im Wechsel an. Pro Durchgang schlägt jeder Spieler pro Durchgang zwei Wertungsstreiche. Hier hat er maximal vier Versuche.

Fazit

Auch, wenn es sich bei Hornuss um eine uralte Sportart handelt, hat sie, auch in der heutigen Zeit, nichts an Attraktivität für die Schweizer verloren. Bei einem flüchtigen Blick, scheint es eine Mischung aus Baseball und Golf zu sein. Es kann davon ausgegangen werden, dass in früheren Zeiten insbesondere ledige, junge Bauern dem Hornussen als Sport nachgingen. Schweizer jeder Altersgruppe betreiben diesen Sport noch heute mit grosser Leidenschaft. Insbesondere in den Mittellandkantonen Bern, Aargau und Solothurn wird Hornussen ausgeübt. Es werden weder enorme finanzielle Mittel benötigt, noch muss der Spieler über eine grossartige Kondition verfügen. Jeder spielt nach seinem eigenen „Leischtigsvermöge“. Die schlagende Mannschaft hat die Aufgabe den Hornuss (ähnlich einem Puck) so weit, wie nur irgend möglich in das Spielfeld der gegnerischen Mannschaft zu schlagen. Die gegnerische Mannschaft muss nun versuchen, den anfliegenden Hornuss zum frühestmöglichen Zeitpunkt mit dem Stecken zu stoppen.

Schweizerdeutsch lernen

Wenn Du den Wunsch hast, einmal an einem solchen Spiel teilzunehmen, oder auch nur zuzuschauen, solltest Du natürlich alle im Spiel verwendeten Begriffe verstehen. Mit www.schweizerdeutsch-lernen.ch wirst Du binnen kurzer Zeit sprachlich bestens gerüstet sein und das ist längst nicht alles. Die vielen Videos zu verschiedenen Alltagssituationen umfassen vor allem auch das Leben neben dem Sport – du wirst bei diesem Großanlass viele Freunde finden.

Vokabular-Liste

Schweizerdeutsch Hochdeutsch
1 Geigniti geeignete
2 Reglä Regeln
3 Dr Gägner den Gegner
4 Buurige bäuerliche
5 Abschlagvorrichtig Abschlagvorrichtung
6 Gnaus Wüsse Genaues Wissen
7 Chraft Kraft
8 Leischtigsvermöge Leistungsvermögen

 

Hornussen – uralt, aber dennoch nicht angestaubt

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