„Es ghört zur Schwyz we Schoggi, Chäs und es Sackmesser“ und wer schon einmal das Privileg geniessen durfte in einem Bergtal den melodisch-langgezogenen Klängen eines Alphorns „luusche z döfre“ versteht sicherlich, wieso dieses ganz spezielle Instrument nicht aus der Schweizer Kultur weg zu denken ist. Es ist darum auch kaum vorstellbar, dass das Alphorn einst verpönt und für fast zwei Jahrhunderte tatsächlich „so guet we verschwunde isch gsi“.
In diesem Artikel möchten wir näher auf dieses wertvolle Stück unserer Kultur eingehen und diese dem wissbegierigen Leser näher bringen. 

Was ist ein Alphorn?

Ein typisches Alphorn
Ein typisches Alphorn

Obwohl es überwiegend aus Holz gefertigt wird, gehört das Alphorn im Grunde zu den Blechblasinstrumenten. Es besteht aus einem langen konisch verlaufenden Rohr, welches am Ende „we s Horn vo rä Chue“ gebogen ist und meist auf einem Sockel steht. Einst verwendete man zu seinem Bau Kiefernstämme die am Hang wachsen und dadurch bereits gebogen sind. Heute kommen auch Eschen-, Fichten- oder Kirschholz, vereinzelt aber auch Kunststoffe zum Einsatz. Geblieben ist jedoch die traditionelle und oft in kleinen Werkstätten „gleischteti Handarbet“, für welche es pro Instrument rund siebzig Stunden bedarf.

Verschiedene Eigenschaften beeinflussen direkt „d Tonlaag“. So sind Länge und Durchmesser, aber auch Wandstärke, Krümmung und Material des Instrumentes entscheidend. In der Schweiz ist das Fis-Alphorn mit einer Länge von 3.4 Metern die Standardgrösse. Das Alphorn bedarf keiner Ventile, Klappen oder Grifflöcher. „D Tön werdet über d Lippe erzügt“. Die Schwingung des durchgeblasenen Luftstromes erregt wiederum die sich in der Röhre befindende Luft und erzeugt durch den Trichter die kaum verwechselbaren Laute des Alphorns. 

Wer hat’s erfunden?

Wann und durch welches Volk das eigentliche Alphorn erfunden wurde ist nicht nachvollziehbar. Vermutet wird, dass dieses bereits „zur Zyt vo de Germane“ bei den damaligen Bergvölkern als „cornua alpinum“ bekannt war. Seine erste Erwähnung in der Schweiz feierte das Alphorn im Jahre 1527, als im Rechnungsbuch des „Chloschter zu Alphorn Musik VereinSt.Urban im Lozärnische be Pfaffnau“ der Eintrag „zwei Batzen an einen Walliser mit Alphorn“ verzeichnet wurde. Ob mit dem Wort Alphorn tatsächlich das uns heute bekannte Instrument gemeint war kann nicht belegt werden, doch es bleibt die erste schriftliche Quelle.
Im siebzehnten Jahrhundert wurde das Alphorn durch die immer grösser werdende Zahl an mittellosen, „im Schwyzerdüdsche“ Älpler genannten Berghirten, welche die Winter des Öfteren bettelnd in den Städten verbrachten, in Verruf gebracht und verschwand danach fast gänzlich „vo dr Bildflächi“. Das Verschwinden wurde teilweise auch durch offizielle Alphornverbote vorangetrieben, welche einzelne Stadtregierungen erliessen. Andererseits kann es auch daran gelegen haben, dass die langen und sperrigen Hörner in den Städten einfach zu unhandlich waren und deswegen durch kürzere Instrumente ersetzt wurden, welche ohnehin besser geeignet waren um der Bettelbläserei zu frönen. Erst als der Tourismus ab Mitte des neunzehnten Jahrhunderts aufkam, wurde das Alphorn quasi wiederentdeckt und zusammen mit der damit verbundenen Folklore erneut „en feschte Beschtandteil vo unsere Kultur“.

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Verwendung heute und einst

„I dr hüttige Zyt“ ist das Alphorn insbesondere „als Musiginschtrument a Veranschtaltige“ wie den traditionellen Schwing- oder Jodlerfesten bekannt, wo es oft auch von traditionell gekleideten Gruppen „geschpielt“ wird. Vereinzelt erlangt es aber auch „nennenswerti Beachtig“ durch die Integration in modernere Musikstile wie Jazz oder Funk.

Kommunikation in den Alpen
Kommunikation in den Alpen

Im Ursprung diente es den Älplern jedoch als „vielsiitigs Werkzüg“. Diverse schriftliche und bildliche Überlieferungen zeigen uns noch heute die einstigen Verwendungszwecke. So nutzten sie es beispielsweise zur Verständigung untereinander oder zur Kommunikation mit den „Dörfler in dr Täler“, riefen damit „s Vieh zum Melche“, vertrieben „bösi Geischter“ oder begleiteten „s Obedgebet“.

Zusammenfassend darf gesagt werden, dass das Alphorn „e interessants und unverkennbars Naturinschtrument isch“, welches unter anderem wegen seiner kulturträchtigen Geschichte und mit beruhigenden Klängen wohl jeden entzückt, der sich in den Genuss dessen Klangweite begibt.
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Das Alphorn – Ein Stück Schweizer Kultur

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